«Big Brother Award» für Ticketvergabe
Bielefeld (dpa) - 28.10.2005, 16:12 Uhr
WM-Tickets mussten über das Internet bestellt werden.
Die geplante Ticket-Vergabe für die Fußball-WM 2006 ist von Datenschützern in Bielefeld mit dem Negativ-Preis «Big Brother Award» bedacht worden. Unter anderem «für die inquisitorischen Fragebögen zur Bestellung von WM-Tickets» bekamen das Organisationskomitee des Deutschen Fußballbundes sowie Franz Beckenbauer persönlich in der Kategorie Verbraucherschutz die abwertende Auszeichnung. Harsche Kritik hatte das OK schon vom Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix geerntet, der den geplanten Einsatz der RFID-Chips als «schrittweise Aufweichung des Rechts» bezeichnete. Bei der Fußball-WM sollen die Tickets erstmals mit einem Chip ausgestatten sein, auf dem personenbezogene Daten gespeichert werden. Damit sollen die Sicherheitsauflagen des Fußballweltverbands FIFA umgesetzt und Kontrollen in den Stadien vereinfacht werden.
Der so genannte «Schnüffelchip» (RFID steht für Radio Frequency Identification) habe das WM-Komitee bereits 2003 fast auf die Kandidatenliste gebracht, hieß es in der Laudatio. Die Jury habe sich damals schließlich zunächst für den RFID-Einsatz in Metros Testsupermarkt «Future Store» entschieden. «Aus mangelnder Fußballbegeisterung hätten wir den sich anbahnenden Datenschutz-GAU fast verpasst», sagte Netz-Künstlerin Rena Tangens. Zudem prangern die Datenschützer an, dass Käufer gezwungen seien, persönliche Daten wie Geburtsdatum, Fan-Zugehörigkeit und die Personalausweisnummer preiszugeben, die dann an die FIFA weitergegeben werden sollen. Inzwischen dürfen die Daten zwar nur werblich genutzt werden, wenn der Käufer ausdrücklich zustimmt, doch die «illegale Eingabe der Personalausweisenummer wird nach wie vor verlangt», heißt es. |