Hecking sauer: Zusatz-Training bei kriselnden «Wölfen»

07.02.2016, 15:18 Uhr
Hecking sauer: Zusatz-Training bei kriselnden «Wölfen»
Dieter Hecking verordnete seinen Profis am Sonntag Straftraining. Foto: Guido Kirchner

Gelsenkirchen/Wolfsburg (dpa) - Dieter Hecking ist nach dem siebten Spiel ohne Sieg sauer, die Profis müssen leiden. Der Coach des VfL Wolfsburg reagierte mit zusätzlichen Trainingseinheiten auf die Krise.

Einen Tag nach der 0:3-Niederlage bei Schalke 04 mussten die Profis des niedersächsischen Fußball-Bundesligisten am Sonntag statt des üblichen Auslaufens eine fast 100 Minuten dauernde Einheit mit abschließenden Sprintübungen absolvieren. Den freien Tag am Montag strich Hecking auch.

Straftraining? «Wie das genannt wird, ist mir egal», sagte der Trainer und gestand: «Ich bin angefressen.» Die verschärfte Übungseinheit nannte er ein «sehr sportliches Training. Das machen wir sonst nicht so.» Beim DFB-Pokalsieger, der seit sieben Partien auf einen Sieg wartet und im Kampf um die Europapokal-Ränge den Anschluss zu verlieren droht, wird es ungemütlich.

Die Niederlage am Vortag war ein neuer Tiefpunkt. «Es war generell ein Spiel zum Vergessen», sagte Julian Draxler nach seiner völlig verkorksten Rückkehr nach Gelsenkirchen. «Wir haben ein ganz wichtiges Spiel null zu drei verloren. Das ist am bittersten.»

Der Fußball-Weltmeister war bei seinem ersten Auftritt auf Schalke nach seinem Wechsel nach Wolfsburg auf den unfreundlichem Empfang eingestellt: «Ich wusste, was mich erwartet. Ich verstehe die Fans und finde, dass alles im Rahmen war.»

Draxlers Leistung und Körpersprache waren ein Spiegelbild der Krise, in der sich Wolfsburg befindet. Das Urteil des ratlos wirkenden Hecking über den «sehr bedenklichen» Auftritt beim FC Schalke fiel vernichtend aus. «Das ist zu wenig. Die Mannschaft spielt im Moment nicht wie eine Mannschaft. Das ist das Grundübel», sagte der sichtlich mitgenommene Coach, der den VfL in einer «schwierigen Phase» sieht: «Ein negatives Erlebnis reicht, um das ganze Gefüge ins Wackeln zu bringen.»

Im millionenteuren Ensemble klafft nach den Eindrücken von Klaus Allofs eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Der Rückstand auf den Tabellen-Dritten Hertha BSC beträgt bereits acht Punkte, auf Champions-League-Qualifikationsrang vier sind es immerhin sechs.

«Nach sieben Spielen ohne Sieg steht man natürlich anders in der Kritik. Das ist etwas anderes, als die Spieler in den letzten fast zwei Jahren erlebt haben. Aber damit müssen sie auch klarkommen. Und einige können das noch nicht», monierte der Sportchef, der den Profis unverhohlen drohte: «Im Fußball muss man laufen, aber auch denken. Dann wird man sehen, wer als Spieler solche Situationen meistern kann und unter Druck gute Leistungen bringt und kühlen Kopf bewahrt. Und auf diesem Weg wird man auch den einen oder anderen verlieren, das ist klar.» Am Samstag muss der Pokalsieger im Heimspiel gegen Aufsteiger Ingolstadt die Wende schaffen, um nicht völlig den Anschluss an die Europacup-Plätze zu verlieren.

Schalke nutze die Verunsicherung des schlechtesten Auswärtsteams der Liga (6 Punkte aus 10 Spielen) eiskalt aus und ist als Vierter nach den Erfolgen in Darmstadt (2:0) und gegen Wolfsburg wieder voll im Soll. Trainer André Breitenreiter, nach der 1:3-Pleite gegen Bremen zum Rückrundenauftakt noch in der Kritik, freute sich über ein «fantastisches Spiel» und die Tore von Klaas-Jan Huntelaar (24.), Johannes Geis (35.) per direkt verwandeltem Freistoß sowie Winter-Zugang Alessandro Schöpf (87.).

Endlich habe man auch mal einen «Großen» bezwungen, so Breitenreiter: «Der Sieg gegen einen direkten Konkurrenten wird uns für die kommenden Aufgaben viel Selbstvertrauen geben. Wir gehen unseren Weg weiter.»

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