Wettskandal: 289 Seiten Anklage - 170 Zeugen
Berlin (dpa) - 01.07.2005, 18:32 Uhr
Robert Hoyzer betritt die DFB-Zentrale in Frankfurt am Main.
Im Fußball-Wettskandal steht ein Mammut-Verfahren bevor. Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» umfasst die Anklageschrift der Berliner Staatsanwältin Petra Leister 289 Seiten. Unter den insgesamt 170 Zeugen befinden sich unter anderen die Schiedsrichter Jürgen Jansen (Essen) und Torsten Koop (Lüttenmark), der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Hellmut Krug sowie die Torhüter Georg Koch (MSV Duisburg) und Tomislav Piplica (Energie Cottbus). Auch etwa 80 Polizisten werden nach Angaben des Blattes in der Zeugenliste aufgeführt. In der Anklage wird den ehemaligen Schiedsrichtern Robert Hoyzer und Dominik Marks sowie den drei kroatischen Brüdern Ante, Filip und Milan S., die das Berliner Café King betreiben, gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. Das gilt auch für Fußball-Profi Steffen Karl. Als Tatorte werden Berlin, Braunschweig, Frankfurt/Main, Dortmund, Ankara sowie die italienischen Städte Viroli und Frosinone aufgeführt. Nach Feststellung der Ermittler liegt der angeblich nachweisbare Gesamtschaden, der diversen Wettbüros entstanden sein soll, bei zwei Millionen Euro.
Hoyzer soll Zeuge der Anklage werden. Aus Sicht von Staatsanwältin Leister ist er «geständig», während die anderen Angeklagten nur «teilgeständig» seien. Hauptbeschuldigter ist Ante S., der wie sein Bruder Filip noch in Berlin-Moabit in Untersuchungshaft sitzt. Ante S. werden laut «SZ» 42 versuchte Manipulationen vorgeworfen, Hoyzer und Milan S. sollen versucht haben, sich durch elf so genannte Handlungen einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen. Karl und Marks werden fünf, Filip S. drei «Handlungen» vorgeworfen. Ante S. soll sich im Jahr 2004 laut Anklage mit Hoyzer und Marks, dem Fußballer Karl, seinen Brüdern und dem Schiedsrichter-Betreuer Wieland Ziller zusammengetan haben, um bei der Deutschen Klassenlotterie Berlin/Oddset sowie privaten Wettanbietern Fußball-Wetten abzuschließen und den Firmen zu verheimlichen, dass sie Manipulationen durch Absprache vorgenommen hatten. In der Anklage werden auch angebliche Versuche der Brüder geschildert, ein Spiel der türkischen Liga zu manipulieren. Dabei soll es sich um die Partie zwischen MKE Ankaragücü und Galatasaray Istanbul gehandelt haben. Aus der Anklageschrift geht nicht hervor, ob die Bundesliga-Partie 1. FC Kaiserslautern - SC Freiburg (3:0) am 27. November 2004 manipuliert wurde. Laut Anklage soll Ante S. vor dem Spiel 15 000 Euro an Schiedsrichterbetreuer Ziller und weitere 10 000 Euro an ihn einige Tage danach gezahlt haben.
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