Veh: Euphorie in Frankfurt statt Frust in Hamburg
Frankfurt/Main (dpa) - 13.09.2012, 11:06 Uhr
Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh feiert im Mai den Wiederaufstieg in die Bundesliga. Foto: Arne Dedert
Huub Stevens, Bruno Labbadia, Felix Magath oder Armin Veh: Nach Jahren der chaotischen Personalpolitik ist der Hamburger SV mittlerweile soweit, dass er in der Fußball-Bundesliga ständig auf einen Ex- oder Beinahe-Trainer wie Jürgen Klopp trifft. Die meisten von ihnen sind bei ihren aktuellen Vereinen deutlich erfolgreicher als sie es beim HSV jemals waren oder wahrscheinlich hätten sein können. Armin Veh ist dazu bei Eintracht Frankfurt noch wesentlich glücklicher, entspannter und vor allem einflussreicher als zu seiner Hamburger Zeit. Es sind ausnahmslos seine Wunschspieler, die ihm beim Aufsteiger gerade seinen Wunsch vom offensiven Fußball erfüllen. Und so steht Vehs neuer Verein vor dem direkten Duell am Sonntag 6 Punkte und 13 Tabellenplätze vor dem alten. «Wenn wir jetzt auch noch gegen den Hamburger SV gewinnen, wäre das ein Riesensprung», sagte der 51-Jährige stolz.
Neben dem HSV und der Eintracht hat Veh in seiner langen Karriere schon sechs andere Vereine trainiert. Es gibt in der Bundesliga kaum einen Coach, der unabhängiger denkt und undiplomatischer redet als der gebürtige Augsburger. Als er im März 2011 in Hamburg seinen Abschied ankündigte, sagte er resigniert: «So etwas wie hier habe ich noch nie erlebt. So kann man nicht arbeiten. Es geht beim HSV nicht mehr um Fußball.» Fünf Tage und eine 0:6-Packung beim FC Bayern München später war er seinen Job los. Gut anderthalb Jahre später erleben die Beobachter in Frankfurt einen anderen Veh: aufgeräumt, motiviert - aber immer noch genauso authentisch. «Uns soll niemand erzählen, wir seien gegen Hamburg Favorit», meinte er trotz der Siege gegen Hoffenheim (4:0) und Leverkusen (2:1). Allein von dem Geld, das der HSV für seine drei jüngsten Neueinkäufe Rafael van der Vaart, Petr Jiracek und Milan Badelj ausgegeben habe, «können wir bei der Eintracht unsere gesamte Mannschaft plus Trainerstab bezahlen». Wer will, kann da noch immer ein wenig Groll auf seinen Ex-Club heraushören. Tatsächlich aber liegt Veh mit dieser Aussage ziemlich nah an der Realität. |