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KSC-«Geisterspiel»: die Party steigt vor dem Stadion

Karlsruhe (dpa) - 09.08.2012, 12:50 Uhr

Vor Spielbeginn werden vor dem Stadion sogenannte Geistertickets vergeben. Foto: Uli Deck
Vor Spielbeginn werden vor dem Stadion sogenannte Geistertickets vergeben. Foto: Uli Deck

Wegen Ausschreitungen in der vergangenen Saison musste Drittligist Karlsruher SC gegen den VfL Osnabrück vor leeren Rängen spielen. Die Spieler vermissten die Unterstützung ihrer Fans. Die trafen sich vor dem Stadion zum friedlichen «Public Viewing».

Etwas ratlos standen die Fußballer des Karlsruher SC nach dem Spielende auf dem Platz. Der Drittligist war am Mittwochabend gegen den in dieser Saison überraschend starken VfL Osnabrück nicht über ein 1:1 (1:0) hinausgekommen. Doch die KSC-Profis wollten wenigstens diesen einen Punkt mit ihren Fans feiern. Aber im «Geisterspiel» des Zweitliga-Absteigers waren die Ränge unbesetzt geblieben. «Das war eine ungewöhnliche Situation in einem leeren Stadion», sagte KSC-Verteidiger Dennis Kempe. «Mit den Fans im Rücken wäre am Ende vielleicht sogar ein Sieg drin gewesen.»

Doch nach Fan-Ausschreitungen in der vergangenen Saison hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Badener dazu verdonnert, ein Heimspiel ohne Zuschauer zu bestreiten. Trotzdem musste der KSC nicht ganz auf Unterstützung verzichten: Etwa 1000 Anhänger hatten sich auf einem benachbarten Parkplatz zum «Public Viewing» getroffen. Und von dort wehte der ein oder andere Schlachtruf zu den Spielern hinüber.

«Man hat die Fans schon ab und zu gehört, vor allem nach unserem Führungstreffer. Aber das ist etwas anderes, als wenn sie im Stadion sind», meinte Kempe. Das 1:0 hatte Hakan Calhanoglu erzielt (26.), der Ex-Karlsruher Simon Zoller glich später für Osnabrück aus (49.).

Auch die VfL-Spieler schauten enttäuscht auf die verlassenen Tribünen. Besonders für Timo Staffeldt, der 16 Jahre lang das Trikot des KSC getragen hatte, war es eine ungewöhnliche Partie. «Da kommt man nach so vielen Jahren bei einem Verein erstmals als Gegner ins Wildparkstadion und steht plötzlich vor leeren Rängen», sagte der Mittelfeldspieler. «Zu einem Fußballspiel gehören einfach Fans.»


Ähnlich äußerten sich die Trainer. «Es war ein gutes Spiel mit viel Tempo und zahlreichen Strafraumszenen», sagte KSC-Coach Markus Kauczinski. «Die Zuschauer hätten Spaß an diesem 1:1 gehabt, und darum geht es schließlich im Fußball.» Sein Osnabrücker Kollege Claus-Dieter Wollitz kritisierte den DFB: «Ein Drittligist, der schon den bitteren Gang des Abstiegs gehen musste, ist hart genug bestraft. Bei anderen Vereinen wurde das Urteil aufgelockert und zu einem Teilausschluss gemacht. Das hätte man auch hier machen können.»

Seine Spieler erklommen nach dem Ende die Stufen der Gästekurve, um wenigstens am Zaun mit ihren Fans zu feiern. 35 Getreue waren mit nach Karlsruhe gekommen und hatten gemeinsam mit den KSC-Fans vor der Großbildleinwand gesessen. Es war ein friedliches Treffen. Die Fan-Initiative «Pro KSC» hatte dafür 2000 «Geistertickets» verkauft und den finanziellen Schaden ihres Clubs damit ein wenig gemildert.

Ein «Geisterspiel» wegen Fan-Randale droht auch Fortuna Düsseldorf. Der Einspruch des Bundesliga-Aufsteigers gegen ein Urteil des DFB-Sportgerichts wird am Freitag in Frankfurt verhandelt.

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