«Es ist allerdings unerlässlich, dass neben den technischen Grundlagen auch die sportlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen praxisnah und trotzdem verbindlich geklärt sind», sagte Ligapräsident Reinhard Rauball der Nachrichtenagentur dpa. DFB-Chef Wolfgang Niersbach sieht die Lage ähnlich: «Im Grundsatz stehen wir dem Thema offen gegenüber, aber vor einer Entscheidung müssen die vielen noch offenen Fragen beantwortet werden.» Wie groß die Meinungsunterschiede zum Thema sind, offenbarte sich auch am Mittwoch bei der Pressekonferenz des deutschen Meisters Borussia Dortmund. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke steht der Technik-Hilfe eher skeptisch gegenüber, Sportdirektor Michael Zorc sieht mehr Vorteile, und Jürgen Klopp ist es im Grunde egal. «Wenn die technische Hilfe kommt, ist es kein Problem. Wenn nicht, werde ich trotzdem weitermachen», sagte der BVB-Trainer. Die Schiedsrichter-Gilde hatte sich meist offen für technische Hilfen gezeigt. Ex-Referee Markus Merk sagte dem Radiosender Bayern 3: «Ich wünsche mir für die Gerechtigkeit im Fußball und auch für die Entlastung der Schiedsrichter und das Fairplay den ersten Schritt in die richtige Richtung. Klar, wir brauchen technische Hilfsmittel, um bei markanten Spielen auf Tor entscheiden zu können.» Angesichts der Differenzen zwischen FIFA und UEFA droht womöglich eine wachsweiche Lösung, die unterschiedliche Systeme bei unterschiedlichen Wettbewerben zulässt, damit alle Fußball-Bosse ihr Gesicht wahren. «Ich bin aber für eine Regelung für alle, oder man lässt es, wie es ist», mahnte Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß vor einem Regelchaos. Drei Ideen stehen am Donnerstag bei der IFAB-Sitzung zur Beratung. Das im Tennis erprobte Hawk-Eye aus England und GoalRef, ein vom Frauenhofer Institut entwickeltes System mit Magnetspulen im Ball, sind die technischen Varianten, die Schiedsrichter künftig die wichtigste Entscheidung des Fußballsports abnehmen können. Die UEFA drängt auf Bewahrung der menschlichen Entscheidungskompetenz mit den Torlinien-Assistenten. Doch selbst Fußball-Traditionalisten sehen den Status quo kritisch. «Die Kamera ist ein Mittel, das klare Verhältnisse schaffen kann. Das Schlimme ist ja, dass trotz Torrichter die Treffer angeblich nicht gesehen werden», sagte DFB-Ehrenspielführer Uwe Seeler der dpa. Das IFAB steht bei der Entscheidung auch unter einem gewissen Druck. Top-Funktionäre wie DFB-Ex-Präsident Theo Zwanziger fordern eine Reform des ultrakonservativen Gremiums, das seit 1866 über alle Regelfragen befindet - und den Fußball vor großen Veränderungen bewahrte. Vier FIFA-Vertreter - darunter immer der Präsident - und je ein Gesandter der Verbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland sind die Gralshüter der Fußball-Gesetze. Für eine Einführung der Tortechnik sind am Donnerstag sechs Stimmen notwendig.
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