Mit Kroos wollte Löw das Spielzentrum verstärken und vor allem die Kreise von Dirigent und Taktgeber Andrea Pirlo einengen. Dafür wurde die rechte Mittelfeldseite vernachlässigt - was prompt zu den Gegentoren führte. Beide Treffer von Mario Balotelli (20./36. Minute) bereiteten die Italiener über ihre linke Angriffsseite vor. Zur Halbzeit korrigierte Löw seine Taktik. Die glücklosen Gomez und Lukas Podolski mussten raus, Klose und der beim 4:2 gegen Griechenland stark aufspielende Marco Reus sollten die Wende herbeiführen. Gegen die biederen Griechen war Löws mutige Überfall-Taktik mit gleich drei Offensiv-Wechseln aufgegangen. Auch diesmal wurde das deutsche Spiel nach dem Wechsel sofort lebhafter, kreativer und gefährlicher. Vor allem Reus machte Dampf und agierte genauso wie Löw es gefordert hatte: mutig und frech. In der 62. Minute prüfte er Gianluigi Buffon mit einem Freistoß-Kracher, den Italiens Torwart-Routinier gerade noch an die Latte lenkte. Mesut Özil (90.+2) traf nur noch per Handelfmeter. Die Hände in die Hüften gestemmt, verfolgte Löw das Geschehen immer öfter stehend vor seiner Trainerbank. Erst als die Partie schon fast verloren und das Italien-Trauma wieder nicht überwunden war, stemmten sich seine Spieler gegen die Niederlage. Zu spät.
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