Spaniens Coach sieht sich trotz anhaltender Kritik wegen seiner ständigen Rochaden im Sturmzentrum zurecht bestätigt. «Natürlich gibt es keine absolute Wahrheit. Wir waren uns da nicht so sicher», räumte er offenmütig ein. Die Schlüsselspieler stützen indes voll den Kurs ihres Trainers. «Wir werden unter keinen Umständen unsere Philosophie verändern», versicherte der geniale Regisseur Xavi. Xabi Alonso analysierte nüchtern: «Wir haben die Partie von Anfang bis Ende kontrolliert, auch wenn wir nur wenig Torchancen kreiert haben.» Jetzt kommt es zum emotionsgeladenen, prestigeträchtigen iberischen Nachbarschaftsduell. Während alle Welt das Semifinale erneut in Donezk nun zum Thriller zwischen dem Titelverteidiger und Mega-Star Cristiano Ronaldo hochjazzt, beurteilten die Spanier das gelassener. «Wir spielen gegen ganz Portugal, nicht nur gegen Cristiano», relativierte Mittelfeldmann Sergio Busquets. «Er ist natürlich der beste Spieler der Mannschaft, aber wir müssen uns auf alle einstellen.» Xabi Alonso, bei Real Teamkollege des Portugiesen, sagte: «Auf uns wird da keine Überraschung zukommen. Cris spielt schon das ganze Jahr auf extrem hohem Niveau.» Del Bosque beschäftigte eher die wesentlich kürzere Regenerationsphase seiner Schützlinge. «Wir waren am Schluss müde. Und unserer Rivale hat 48 Stunden mehr Ruhe. Das ist ein kleines Handicap», wies er darauf hin, dass Portugal sich zwei Tage länger auf das Semifinale vorbereiten kann. Die Spanier bekamen deshalb nach der Rückkehr im Morgengrauen im polnischen EM-Quartier Gniewino den ganzen Sonntag frei. Die demoralisierten Franzosen hatten ganz andere Sorgen. Mit einer heftigen Schimpftirade gegen einen Journalisten lieferte Mittelfeldmann Samir Nasri der Grande Nation den nächsten Skandal. Auch die mutlose Leistung war enttäuschend. «Es ist traurig», meinte Bayern-Star Franck Ribéry, der nach der vierten verpassten Titelchance dieser Saison enttäuscht vom Platz schlich. «Wir sind immerhin ins Viertelfinale gekommen, das ist Frankreich seit sechs Jahren nicht mehr gelungen.» Obwohl er mit dem Einzug in die K.o.-Runde das Verbandsziel erfüllt hatte, ließ Trainer Laurent Blanc seine Zukunft zunächst offen. «Es wird Aufs und Abs und Enttäuschungen geben, aber wir gucken uns das in Ruhe an und nehmen uns Zeit dafür», sagte der Coach, dessen Vertrag nach der EM ausläuft. Weniger entspannt zeigte sich der völlig frustrierte Nasri. Zunächst schlug der 24-Jährige einem Journalisten vor, einen Disput draußen zu regeln und verlor dann vollends die Kontrolle. «F... dich selber in den A..., geh deine Mutter f...», fluchte er und beschimpfte den Reporter als «Hurensohn». Nur zwei Jahre nach der WM-Schmach von Südafrika mit der Rebellion gegen den damaligen Coach Raymond Domenech muss Frankreich nun das nächste Chaos bewältigen.
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