Selbstverliebte Arroganz wird Ronaldo schon lange vorgeworfen, bisher hat der 27-Jährige die Kritik meist mit beeindruckenden Leistungen kontern können. Allein 65 Tore in 60 Pflichtspielen der Vor-EM-Saison sprechen eindrucksvoll für sich. «CR7» trifft sonst, wie er will - jetzt aber scheint ihm nach all den Auftritten für Real in Spanien das Pulver ziemlich schnell ausgegangen zu sein. Zweimal lief Ronaldo am Mittwochabend allein auf Schlussmann Stephan Andersen zu, zweimal verzog er. Bei einem Torwart als Gegenüber, der durchaus gutes internationales Format hat, beileibe aber keine Weltklassequalitäten. «Cristiano ist einer der besten. Jetzt hat er mal nicht getroffen, aber er hat das schon in anderen Situationen geschafft», beschwichtigte Mitspieler Pepe, der per wuchtigem Kopfball (24. Minute) zusammen mit Hélder Postiga (36.) eine scheinbar sichere 2:0-Führung herausgeschossen hatte. Dass es für die Portugiesen nach Nicklas Bendtners Doppelpack (41./80.) noch zum Sieg reichte, hatten sie einer Mischung aus purem Glück und großer Willenskraft zu verdanken. Der eingewechselte Varela pfefferte drei Minuten vor Schluss den Ball aus dem Getümmel ins Netz - die Portugiesen vergruben ihn anschließend unter einem Menschenberg der Freude. «Wir sind nach dem 2:2 über uns hinausgewachsen, haben Charakter und Persönlichkeit gezeigt», lobte der sonst so betont zurückhaltende Trainer Paulo Bento beinahe übermütig. Das Zustandekommen des Sieges dürfte neue Kräfte freisetzen - vielleicht auch bei Ronaldo. Er selbst zeigte sich am Mittwoch verärgert über die kleinen Stiche von den Tribünen in Form von «Messi»-Rufen. Mit dem Argentinier duelliert er sich seit langem um die internationale Fußballkrone; es geht darum, wer von beiden letztlich besser ist. Das Massenblatt «Correio da Manha» ist sich sicher: «Für seine Landsleute ist die Diskussion spätestens nach dem gestrigen Spiel zu Ende. Ronaldo ist es nicht.»
UEFA-Statistik
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