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Schwieriger Start in die Titelmission für DFB-Elf

Lwiw (dpa) - 08.06.2012, 19:50 Uhr

Die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw (unten) werden sich gegen Portugal ordentlich strecken müssen. Foto: Thomas Eisenhuth
Die Spieler von Bundestrainer Joachim Löw (unten) werden sich gegen Portugal ordentlich strecken müssen. Foto: Thomas Eisenhuth

Die Titelmission beginnt - das nervtötende Warten auf die Kraftprobe mit Portugals Superstar Cristiano Ronaldo ist für Joachim Löws Spaßkicker kaum noch zu ertragen.

«Die Vorbereitung hat sich hingezogen. Ich bin jetzt glücklich, wenn der Anpfiff ertönt», erklärte der Bundestrainer. Am Samstagabend soll Fußball-Adonis Ronaldo gegen Deutschland in Lwiw einmal mehr leiden und der schwarz-rot-goldene EM-Partysommer gleich auf Touren kommen. «Wir haben eine Hoffnung in Deutschland geschaffen», sagte Kapitän Philipp Lahm zu den hohen Erwartungen: «Die Republik glaubt an uns.»

1972, 1980, 1996 - bei allen drei bisherigen Europameisterschafts-Triumphen war ein Auftaktsieg die Initialzündung für einen Durchmarsch durchs Turnier. «Klar wollen wir das Ding gewinnen», erklärte Torhüter Manuel Neuer. «Wir sind gut vorbereitet», ergänzte Torjäger Miroslav Klose, der seinen 34. Geburtstag mit einem Sieg und möglichst vielen Toren feiern will.

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Einen «Titel-Automatismus» gebe es nicht, mahnte Lahm. «Wir müssen mit der ersten Sekunde im Turnier sein», sagte Löws Assistent Hansi Flick vor dem kurzen Flug vom regnerischen Danzig in den ukrainischen Spielort Lwiw, wo es bedeckt, aber warm war.

Auch der Trainerstab ist gespannt, ob die personellen Risiken belohnt werden. Löw plagen insgeheim Zweifel wegen der ungewissen Wettkampf-Tauglichkeit lange verletzter Leistungsträger wie Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker und Miro Klose. Auch die mentale Stabilität von Nachtschwärmer Jérôme Boateng, der Portugals Schlüsselspieler Ronaldo als Rechtsverteidiger stoppen soll, muss sich im kleinsten EM-Stadion, das nur 30 000 Zuschauer fasst, im Ernstfall beweisen.


«Das Eröffnungsspiel ist immer eine Unbekannte», räumte Flick offen ein: «Wenn das erste Spiel erfolgreich bestritten wird, ist ein kleiner Rückenwind da.» Zumal in der schweren deutschen Gruppe nur vier Tage später das brisante Duell mit Erzrivale Holland ansteht. «Das Niederlande-Spiel ist noch einmal einen Tick schärfer», sagte Flick.

Löw hat zunächst alles auf Portugal abgestimmt und ausgerichtet. «Wir sind nicht zu selbstbewusst und schon gar nicht arrogant oder überheblich», versicherte er. Auf Schweinsteiger als Mittelfeldchef will er nicht verzichten: «Er macht einen guten Eindruck. Ich denke schon, dass die Mannschaft ihn auch braucht.» Turnier-Spezialist Klose hat im Angriff wieder Mario Gomez ausgestochen.

Auch Mertesacker will der Bundestrainer als Abwehrchef stellen, nachdem eine Schrecksekunde im Training glimpflich ausging. Bei einem Zusammenprall mit Boateng beim Eckball-Training ging der Abwehrhüne vom FC Arsenal zu Boden. «Per war kurz unklar. Aber es ist nicht so dramatisch, wie wir erstmal vermutet hatten», sagte Flick und gab rundherum Entwarnung: Alle 23 EM-Spieler seien startklar.

Die Anfangsformation hat Löw längst im Kopf. Trotzdem wollte er einen Teil der Spieler bis zuletzt im Ungewissen und damit «unter Spannung» halten. «Die Stunden, die uns bleiben, nutzen wir noch», sagte Flick. Klar ist: Löw setzt auf einen starken Bayern-Block von mindestens sechs Mann in der Startelf und dazu auf internationale Erfahrung, die neben Klose und Lukas Podolski auch Mesut Özil und Sami Khedira seit der WM 2010 bei Real Madrid gewonnen haben.

«Sie sind sehr gewachsen», betonte Löw. Klose rühmte das Duo vom spanischen Meister sogar als «eine Gabe für die Mannschaft». Gerade Ball-Zauberer Özil soll der deutsche EM-Trumpf sein. «Mesut ist in der Lage, Spiele mit seinen Pässen zu entscheiden», betonte Flick.

Khedira wird vor allem mit dafür sorgen müssen, dass sein Real-Kollege Ronaldo keinen Schaden anrichtet. Im Kollektiv soll Portugals Torjäger gestoppt werden. «Wir haben ihn schon ein paar Mal geärgert», erinnerte Mertesacker genüsslich an den 3:2-Sieg im EM-Viertelfinale 2008 und das 3:1 im Spiel um Platz drei bei der WM 2006. Auch auf ein Tor gegen Deutschland wartet der Star immer noch.

Löw hat dennoch eine Freistoßwarnung ausgesprochen, wie sein Assistent Flick am Freitag noch in Danzig mit einer unbedachten Bemerkung bestätigte, die gerade die polnischen Gastgeber irritieren könnte. «Ronaldo hat Freistoßqualitäten. Da heißt es, Stahlhelm aufsetzen und groß machen.» Wenig später entschuldigte sich Flick für diese Äußerung via DFB-Homepage: «Es tut mir leid, wenn Irritationen durch eine unglückliche Bemerkung von mir entstanden sind. Es war ein Versprecher, der keine falschen Eindrücke aufkommen lassen sollte», so Flick. Es sei sonst nicht seine Art, mit militärischem Vokabular sportliche Sachverhalte darzustellen.

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