Am Wochenende durften die 23 Spieler noch einmal durchpusten, mussten aber auch individuelle Trainingspläne mit bis zu drei Übungseinheiten erfüllen. Abwehrspieler Jérome Boateng nutzte den Kurzurlaub in Berlin sogar zur Vorstellung des Familienbuchs «Die Brüder Boateng». «Nächste Woche geht es richtig los», sagte der Innenverteidiger, der rechts in der Viererkette aushelfen muss. Die Spieler fiebern schon vor dem Einzug ins schmucke Teamhotel «Dwór Oliwski» dem Turnierstart entgegen. «Wir sind heiß, wir wollen endlich gegen Portugal spielen. Da wird einiges los sein», sagte der Leverkusener Edel-Joker André Schürrle. Bis zum Finale am 1. Juli in Kiew hat der DFB sein Quartier durchgebucht. Schließlich ist alles auf den ersten Turniersieg seit dem EM-Triumph 1996 in England ausgerichtet. «Man sollte nicht ständig vom Titelgewinn sprechen. Manche Nationen haben 50 Jahre gewartet wie die Spanier», mahnte jedoch Löw. Er baut auf den erfrischenden Spielstil der WM 2010 und neben den Bayern ganz speziell auf Mesut Özil und Sami Khedira, die seit Südafrika und dem Wechsel zu Real Madrid «sehr gewachsen» seien: «Wir streben den Titel an, aber wir wollen mit Leichtigkeit spielen und nicht verkrampfen.» Der Bundestrainer wird die volle Konzentration nach der Ankunft in Polen zunächst auf das Überstehen der Hammergruppe B richten. «Wir müssen in jedem der drei Spiele unsere Höchstleistung bringen, wenn wir bestehen wollen», sagte Löw. Eine Rangfolge der Vorrundengegner mochte er nicht aufstellen: «Portugal und die Niederlande sind fußballerisch und von ihrer Offensivkraft auf einem hohen Niveau. Dänemark spielt natürlich anders, ist aber auch immer ein unangenehmer Gegner.» Ein «Spanien-Plan» für eine mögliche neue Kraftprobe mit dem Welt- und Europameister existiere noch nicht, versicherte Löw: «Das wäre nicht in Ordnung. Wir müssen erst einmal andere Aufgaben bewältigen. Es gibt einen Spielplan Richtung Portugal, Richtung Holland und Richtung Dänemark. Dann sieht man weiter. Aber unsere Spielweise wird sich nicht gravierend verändern, egal wie weit wir kommen.» Ein möglicher Viertelfinal-Kontrahent ist Polen. Und «ja», sagte Löw, der EM-Gastgeber lebe im Gegensatz zum deutschen Team ganz elementar vom Dortmund-Faktor. «Die tragenden Säulen bei Polen - Lewandowski, Blaszczykowski und Piszczek - sind extrem gut in Dortmund gewesen und auch extrem gut in der polnischen Nationalmannschaft. Das sind die herausragenden Leistungsträger bei Polen.» Mit Polonia Dortmund würde sich Löw sehr gerne messen: «Es wäre eine tolle Sache, gegen den Gastgeber zu spielen.»
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