Der ehemalige Blatter-Vertraute und langjährige Chef des Kontinental-Verbandes CONCACAF hatte zuletzt behauptet, die TV-Rechte von der FIFA für einen Spottpreis als Gegenleistung für seine Unterstützung Blatters in verschiedenen Wahlkämpfen bekommen zu haben. Der Weltverband hatte diese Vorwürfe zurückgewiesen. Warner habe seit 1986 die Rechte für Trinidad und Tobago für einen symbolischen Betrag bekommen und von einer damals üblichen Praxis gesprochen. Vor einer Woche erst erneuerte Warner seine Anschuldigungen und bezeichnete es als Verschleierung, dass die FIFA nicht auf Vorwürfe eingegangen sei, ihm angeblich auch die Fernsehrechte für 2002, 2006, 2010 und 2014 für einen nominellen Betrag überlassen zu haben. Dies sei für die Rolle geschehen, die er gespielt habe, um Amtsinhaber Blatter die FIFA-Präsidentschaft zu garantieren, erklärte Warner. Das Vorwurf-Dementi-Vorwurf-Spiel, das Ex-FIFA-Vize und der Verband treiben, bringt die FIFA immer wieder in Erklärungsnot. «Er muss Beweise liefern für seine Behauptungen, nicht die FIFA muss irgendwas belegen», hieß es in Zürich. Warner hatte nach seinem unrühmlichen Abgang einen Fußball-Tsunami gegen Blatter prophezeit und wählt nun den Weg über die Medien für seine Anschuldigungen. Eigentlich müsste sich die Ethikkommission angesprochen fühlen, umgehend Untersuchungen einzuleiten, in deren Mittelpunkt auch der bis 2015 im FIFA-Top-Job amtierende Blatter stehen müsste. «Dafür sehen wir keine Veranlassung», teilte die FIFA dazu mit. Der Vorsitzende des neu gegründeten Governance-Komitees dagegen rechnet unabhängig vom nun aufgetauchten Schriftstück mit weiteren Enthüllungen. «Es würde mich erstaunen, wenn es ohne Skandal abliefe», sagte der Schweizer Strafrechtler Mark Pieth in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Der renommierte Jurist kritisierte die handelnden Personen und Strukturen in der FIFA scharf. «Ich würde nicht sagen, die FIFA sei korrupt. Aber es gibt zu viele korrupte Einzelpersonen in dieser Struktur», sagte Pieth der «FAZ» und betonte: «Mir ist schon bewusst, dass die angeschlagenen Leute im FIFA-Vorstand, die neben ihrer Funktion noch private Geschäfte gemacht haben, ein Riesenproblem sind.» Blatter dagegen «ist uns eigentlich relativ gleichgültig. Er tritt bei unserer Arbeit nicht wirklich in Erscheinung», sagte Pieth.
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