Die Bildkombo zeigt Manfred Amerell (l) und Michael Kempter. Fotos: Andreas Gebert, Franziska Kraufmann
Die Schlammschlacht zwischen Manfred Amerell und Michael Kempter geht in die nächste Runde: Im Schiedsrichter-Skandal um den früheren DFB-Funktionär und seinen ehemaligen Schützling steht am Mittwoch die Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Stuttgart an.
Mit einem Urteil ist an diesem Tag nicht zu rechnen, sagte ein Gerichtssprecher der Nachrichtenagentur dpa. Seit bald zwei Jahren belastet der Fall den deutschen Fußball.
Seine erste Schadensersatzklage gegen den einstigen Bundesliga- und FIFA-Referee Kempter hatte Amerell am 12. Mai nach einem Urteil des Landgerichts Hechingen verloren. Kempter (Sauldorf), heute 28, wirft seinem Ex-Förderer sexuelle Belästigung vor, was dieser bestreitet. Der 64 Jahre alte Amerell hat bereits zwei Verfahren gegen den DFB-Präsident Theo Zwanziger verloren, beim Deutschen Fußball-Bund liegt noch eine Selbstanzeige Amerells vor, der sich der Kontrollausschuss angenommen hat.
Der Augsburger Amerell hatte immer betont, dass die intimen Kontakte zwischen ihm und dem Schiedsrichter-Talent einvernehmlich waren. Er sieht durch die öffentlichen Anschuldigungen seine Persönlichkeitsrechte verletzt und will ein Schmerzensgeld in Höhe von 150 000 Euro erstreiten. Die Richter in Hechingen hatten in ihrer erstinstanzlichen Urteilsbegründung erklärt, dass Kempter Amerells «Verhaltensweisen» in seinen Interview «zutreffend wiedergegeben» habe. Die sexuellen Kontakte mit Kempter - «ob einvernehmlich oder aufgedrängt» - seien nie mit Amerells Amt vereinbar gewesen.
Beide Parteien sowie ihre Anwälte Jürgen Langer (Amerell) und Christoph Schickhardt (Kempter) wollten sich vor der Verhandlung in Stuttgart nicht öffentlich äußern. Amerell hatte auch die Ermittlungen gegen zahlreiche Unparteiische wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ins Rollen gebracht. Ein Mediationsverfahren zwischen Zwanziger und dem früheren Schiedsrichter-Sprecher war nach einigem Hickhack vor wenigen Wochen gescheitert.
Amerell hatte zuletzt angekündigt, dass von ihm weitere Enthüllungen zu erwarten sind. «Dass Herr Amerell Missstände aufzeigt, ist nicht verwerflich. Mir wäre es aber lieber, er würde alle Missstände auf einmal präsentieren», sagte Zwanziger in der TV-Sendung «Heimspiel!» des Hessischen Rundfunks und betonte erneut: «Die ganze Geschichte erschüttert den Verband nicht.» Der DFB-Präsident scherzte sogar: «Ich freue mich auf ihn. Jeden Morgen. Ein Tag ohne Amerell ist ein verlorener Tag.»
Für Liga-Präsident Reinhard Rauball ist der Fall Amerell ein Thema, «was stört, gar keine Frage. Aber auch ein Thema, auf das im deutschen Fußball mit Ausnahme von Herrn Amerell und seinem Anwalt niemand Einfluss hat». Er sei dafür, persönliche Befindlichkeiten auf allen Seiten zurückzustellen, um eine Lösung im Sinne des Fußball zu finden. «Ich denke, dass ich auch in den internen Gremien so argumentiert habe und glaube, dass durch eine neue Positionierung in der Spitze sich auch andere Überlegungen breitmachen könnten», erklärte Rauball im Hinblick auf den anstehenden Präsidentenwechsel beim DFB. «Aber das muss dann derjenige entscheiden, der bei dieser Wahl dann auserkoren ist.»