Vor allem in den Landesverbänden wirkt noch immer der eigenwillige Abschieds-Coup Zwanzigers nach. In der Nachfolge-Frage sind die Regionalfürsten gespalten, ein klares Votum ist nicht zu erkennen. DFB-Vizepräsident Hermann Korfmacher, zugleich Fußball-Chef in Westfalen, hält sowohl Niersbach als auch Ligavorstands-Mitglied Staudt für «respektable und kompetente Anwärter». Als erster Spitzenfunktionär machte sich DFB-Vize Karl Rothmund für Staudt stark. «Staudt als Präsident und Wolfgang Niersbach als Generalsekretär, das wäre für mich eine Traumkombination», sagte der einflussreiche Präsident des Niedersächsischen Fußball-Verbandes, der als Vertrauter von Zwanziger gilt. Hinter den Kulissen ist der Wahlkampf längst entbrannt - öffentlich hält sich Niersbach total zurück, Staudt fühlt sich geschmeichelt. «Präsident des Deutschen Fußball-Bundes zu sein, das ist eine der schönsten Aufgaben, die es in Deutschland gibt. Ich traue mir das zu», sagte der frühere Präsident des VfB Stuttgart und IBM-Manager. «Wenn es in einem demokratischen Prozess entschieden würde, wäre ich bereit für dieses Amt.» Am Sonntag soll es ein Dreier-Treffen mit Zwanziger, Niersbach, Staudt gegeben haben. Der Stuttgarter gilt im Spannungsfeld zwischen Amateur- und Profifußball als möglicher Vermittler. Dumm nur für den Schwaben, dass der medial omnipräsente Franz Beckenbauer den kaiserlichen Segen bereits seinem Freund Niersbach erteilt hat: «Er ist in meinen Augen der Beste.» Zu Staudt sagte Beckenbauer: «Er ist ein hervorragender Mann und ein super Mensch dazu. Aber er kommt aus der Liga. Gewählt wird er von den Verbänden, da hat er wenig Chancen. Ich glaube, dass die Wahl in eine andere Richtung geht.» Andere sehen das nicht so. Er verkörpere «das Scharnier zwischen Liga und Amateurfußball», meinte Korfmacher. Staudt könnte als eine Art Zwischenlösung ein guter Kompromiss sein. Entscheidend wird sein, ob Staudt den vielen Vertretern des Amateur-Fußballs, die mehrheitlich den neuen DFB-Präsidenten bei einem außerordentlichen Bundestag wählen, vermittelt werden kann. Niersbach genießt sowohl bei den Landesfürsten als auch bei den Dachverbänden UEFA und FIFA enormes Ansehen und hat ein hohes Standing bei der Deutschen Fußball Liga (DFL). «Dass Wolfgang Niersbach ein Generalsekretär ist, der durchaus höhere Fähigkeiten hat über dieses Amt hinaus, also auch als DFB-Präsident, das weiß jeder, der in der Tagesarbeit mit dem DFB zu tun hat», sagte Rauball. «Ich halte es aber für sinnvoll, dass die Amateurvertreter einen Vorschlag machen sollen.» Seit 38 Jahren ist der heutige Generalsekretär im Geschäft, angefangen hat er als Sportjournalist. Beckenbauer würde sogar so weit gehen, für einen Verbandschef Niersbach die Statuten zu ändern und das DFB-Präsidentenamt zu einem bezahlten Job zu machen. Sein Präsidentschaftsnachfolger beim Branchenprimus FC Bayern hält sich aus der bundesweiten Debatte heraus. «Ich möchte mich in die personellen Diskussionen nicht einmischen», sagte Uli Hoeneß, der sich selbst in München bestens aufgehoben fühlt. «Meine Position ist Präsident des FC Bayern. Da habe ich so viele Aufgaben in den nächsten Jahren, da verschwende ich keinen Gedanken, nach Frankfurt zu gehen.» Wie auch immer die Diskussion ausfällt: Ein neuer DFB-Präsident muss noch vom Bundestag gewählt werden. Da der nächste ordentliche erst im Herbst 2013 ansteht, müsste ein außerordentlicher einberufen werden, wenn der Nachfolger Zwanzigers bereits wie von ihm gewünscht im Oktober 2012 ins Amt gehoben werden soll. Die Vertreter der Amateure haben dabei 172 Stimmen, die des Profifußballs 74.
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