Im vergangenen Sommer hatte die Staatsanwaltschaft im schweizerischen Zug, dem einstigen Sitz des Firmenkonglomerats, ihre Ermittlungen eingestellt und das Verfahren für beendet erklärt. Gegen eine einmalige Zahlung der FIFA in Höhe von 5,5 Millionen Schweizer Franken blieben die Namen der bestechlichen Funktionäre geheim. Als die BBC die Namen der Funktionäre veröffentlichte, die auf der Liste stehen sollen, nahm die Ethikkommission des IOC ihre Ermittlungen auf. Auf Amtshilfe von der FIFA konnten die Olympier dabei nicht bauen. Im Gegenteil: Die Organisation von FIFA-Boss Joseph Blatter soll die Aufklärungen eher blockiert und gebremst haben. Nach Auswertung der Gerichtsdokumente kam die IOC-Ethikkommission in die Verlegenheit, ausgerechnet den Ausschluss ihres dienstältesten Mitglieds empfehlen zu müssen. Havelange war seit 1963 im IOC und der letzte Funktionär mit einer Mitgliedschaft auf Lebenszeit. In drei Jahren will er in seiner Heimatstadt Rio de Janeiro im Fußball-Tempel Maracanã den sechsten WM-Titel Brasiliens feiern. «Ich hoffe, ich bin 2014 und 2016 noch da, um die WM und die Olympischen Spiele in meinen Land zu sehen», hatte er vor seinem 95. Geburtstag im vergangenen Mai gesagt. 2016 wäre Havelange 100 Jahre alt, die Eröffnungsfeier der Sommerspiele 2016 findet im Joao-Havelange-Stadion statt. Jahrelang wurde das Wissen um Havelanges umstrittenes Geschäftsgebahren vom IOC und von der FIFA unter der Decke gehalten. Jetzt drohten Verfehlungen publik zu werden. Der Rückzug von Havelange sollte den Schaden für alle Beteiligten möglichst gering halten. Blatter kommt der Schritt seines Vorgängers gelegen. Havelange, der als Architekt das Fundament für Blatters Machtsystem legte, könnte vom Schweizer für die Altlasten der FIFA verantwortlich gemacht werden - Vergangenheitsbewältigung à la Blatter. Auf jeden Fall gerät die FIFA in Erklärungsnot. Havelange, einer der höchstdekorierten Sportfunktionäre der Welt, verlässt die große Bühne in Schande. Weitere könnten zeitnah folgen. In der FIFA-Exekutive sehen sich neben Hayatou und Teixeira auch Julio Grondona (Argentinien), Nicolas Leoz (Paraguay), Chuck Blazer (USA) und Worawi Makudi (Thailand) mit Bestechungsvorwürfen konfrontiert. Alle haben die Anschuldigungen stets entschieden zurückgewiesen. Seit der umstrittenen Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar hat sich die Zusammensetzung der FIFA-Regierung bereits gewaltig verändert. Drei Funktionäre wurden ausgeschlossen - Mohamed bin Hammam (Katar), Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temari (Tahiti). Der ehemalige FIFA-Vize Jack Warner kam einer Suspendierung durch seinen Rücktritt zuvor.
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