Als erster der möglichen Erben wagte sich DFB-Vizepräsident Rainer Koch aus der Deckung - und bestritt eigene Ambitionen. «Die Frage stellt sich nicht», sagte der von Zwanziger unlängst versetzte Jurist und plädierte für Liga-Präsident Reinhard Rauball und Niersbach: «Beide sind sehr gut geeignete Kandidaten aus dem Fußball. Ich könnte mir gut vorstellen, mit ihnen zusammenzuarbeiten.» Die Genannten äußerten sich zunächst nicht. Zwanzigers einsame Entscheidung hatte Koch ebenso «überrascht» wie andere Funktionäre und DFB-Mitarbeiter. Auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sprachen zahlreiche Spitzenfunktionäre des deutschen Sports am Samstag von einem «führungslosen DFB» und bezeichneten den zuletzt heftig kritisierten Zwanziger bis zu seinem endgültigen Ausstieg als eine «Lame Duck». Auch Bundestrainer Löw war bei der EM-Auslosung nicht eingeweiht. «Wir hatten von der Nachricht auch erst in Kiew gehört und waren natürlich alle überrascht», verriet Löw im ZDF. Negative Auswirkungen auf die EM-Titelmission befürchtet er nicht. «Das wird uns jetzt in unserer Vorbereitung und Konzentration nicht stören. Wir konzentrieren uns auf unsere Aufgaben», unterstrich Löw. «Auf der einen Seite ist so eine Entscheidung zu respektieren. Dass der Zeitpunkt und die Ankündigung eines externen Kandidaten für Unruhe gesorgt haben, ist der Nachteil bei dem Weg, den Theo Zwanziger gewählt hat», sagte der Berliner Verbandspräsident Bernd Schultz. «Der Schock war schon groß, alle waren völlig überrascht», verriet Rainer Milkoreit, DFB-Vize und Chef des Nordostdeutschen Verbandes. Nebenschauplätze wie die Affäre um Manfred Amerell, der Suizidversuch von Schiedsrichter Babak Rafati oder die Debatte um Gewalt im Fußball «haben ihn ein bisschen zermürbt», vermutet er. Selbst Niersbach war erst wenige Stunden zuvor von Zwanzigers Rücktrittsabsicht informiert worden. Auf der Weihnachtsfeier des Vorstandes brachte der DFB-Boss dann eine unbekannte «Persönlichkeit» als möglichen Nachfolger ins Gespräch, die nicht aus dem Fußball kommt. Doch auch er nannte Niersbach: «Wir haben Persönlichkeiten im Präsidium, die das machen können.» Schiedsrichter-Affäre, FIFA-Skandale, mediale Alleingänge und Kommunikationsfehler hatten Zwanziger zuletzt Negativschlagzeilen beschert. Vom «Problem-Präsidenten» schrieb die «FAZ» nach einer bewegten, bisher siebenjährigen Amtszeit. «Das ist so sein Stil, diese Entscheidung fast allein zu treffen», sagte Beckenbauer und sprach bei «Sky Sport News» von einer «Verzweiflungstat» des 66 Jahre alten Juristen aus Altendiez. Offenbar habe der DFB-Boss die öffentlichen Attacken «persönlich genommen», so der «Kaiser». In seinem Heimatblatt «Rhein-Zeitung» verteidigte Zwanziger in einem dreiviertelseitigen Beitrag seine Entscheidung als «weder impulsiv noch aktionistisch. Im Gegenteil, sie ist wohldurchdacht.» Der Entschluss sei im Sommer vergangenen Jahres gefallen. «Doch jetzt weiß ich, dass es Zeit ist, mich zurückzuziehen. Dafür benötige ich keine festgeschriebene Altersgrenze oder gut gemeinte Ratschläge.» Als einer der Topfavoriten beim Kandidaten-Casting wurde der frühere Journalist Niersbach gehandelt. «Dass es der hauptamtliche Generalsekretär wird, glaube ich nicht», sagte Ex-DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder. «Ich bin der Meinung, dass jemand, der es macht, nicht aus dem Hauptamt kommen sollte, sondern aus dem Ehrenamt, wie es Tradition ist.»
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