Schiedsrichter-Affäre und FIFA-Skandale hatten Zwanziger zuletzt erneut persönliche Negativschlagzeilen in seiner ohnehin bewegten siebenjährigen Amtszeit beschert. Dankbar reagierte der Jurist aus Altendiez auf den «Respekt», der ihm durch die versammelten DFB-Honoratioren bei dem Empfang in Gravenbruch am Freitagabend entgegenbracht worden sei. Als seine verbliebene nationale Aufgabe betrachtet Zwanziger nun die reibungslose Übergabe an seinen Nachfolger, der von Herbst 2012 an als dann elfter DFB-Präsident die Geschicke des Verbandes leiten soll. «Es gibt mehrere Kandidaten. Wir haben Persönlichkeiten im Präsidium, die das machen können. Dazu gehört sicherlich auch Wolfgang Niersbach», sagte Zwanziger. «Er ist in meinen Augen der Beste», legte sich Beckenbauer fest. Niersbach sei auch bei den internationalen Verbänden FIFA und UEFA «gern gesehen», so Beckenbauer. Das sei für den DFB wichtig. «Er ist der klassische operative Mann, der sehr enge Kontakte in den professionellen Fußball hat, der wahnsinnig gut mit Sponsoren arbeiten kann. Er hat unglaubliche Stärken und wäre auch ein geeigneter Präsident», sagte Zwanziger. Seine Nähe zum Profifußball könnte Niersbach allerdings bei den mächtigen Amateurverbänden zum ungeliebten Kandidaten machen. Zudem würde der DFB einen anerkannten Fachmann für den Job als Generalsekretär verlieren. Fraglich ist auch, ob der frühere Journalist überhaupt Interesse hat, seinen gut bezahlten Posten für das Präsidentenamt aufzugeben. Schon 2010 hatte Zwanziger bei Niersbach vorgefühlt. «Da war er nicht sehr begeistert», berichtete er. Auch Liga-Präsident Reinhard Rauball wird das DFB-Spitzenamt zugetraut, er müsste aber wie Niersbach gegen Vorbehalte aus dem Amateurlager kämpfen. Dort hat DFB-Vize Rainer Koch eine Hausmacht. Präsidenten-Ambitionen soll er schon lange haben. Ausgerechnet seinen jüngsten Widersacher in der Schiedsrichter-Affäre als Nachfolger zu sehen, würde Zwanziger wohl schmerzen. Intern dürften schon die Grabenkämpfe als Vorboten eines Präsidentenwahlkampfs laufen. Der neue DFB-Boss müsste mit Zwanziger kooperieren können, da dieser bis 2013 in der UEFA-Exekutive und sogar bis 2015 in der FIFA-Exekutive bleiben will. Auch in beiden internationalen Verbänden könnten demnächst die Präsidentensessel frei werden, was weiteren Spekulationen über Zwanzigers Zukunftsambitionen Raum lässt.
Zwanziger-Interview bei dfb.de
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