Überrascht und mit Bedauern reagierten Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff auf den angekündigten Rücktritt. «Wir haben mit Dr. Zwanziger immer gut zusammengearbeitet, wenn es um die Interessen der Nationalmannschaft ging», sagte Löw im Anschluss an die EM-Auslosung in Kiew. «Wir kennen die genauen Hintergründe der Entscheidung nicht. Wir bedauern diesen Schritt, aber respektieren eine persönliche Entscheidung.» Bierhoff ergänzte, dass Zwanziger die Nationalmannschaft stets unterstützt habe «und wir haben sein Engagement geschätzt.» Zwanziger hat den DFB geprägt und geformt, war lange unumstritten. Als Förderer und erklärter Fan des Frauen-Fußballs verschaffte er sich viele Sympathien, mit einer bewegenden Rede nach dem Suizid von Robert Enke erntete er Respekt und Anerkennung. Zwanziger war oft als Krisenmanager gefragt und bewies oft sein Geschick, populäre Themen zu besetzen. Nicht immer agierte er dabei aber glücklich. In seine Amtszeit fielen etwa die zunächst geplatzte Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw, ein Wett- und Schiedsrichterskandal und ein Streit mit dem Journalisten Jens Weinreich um den Vorwurf der Diffamierung gegen den DFB-Boss. Zuletzt wurde die Kritik zunehmend lauter: In der pikanten Schiedsrichter-Affäre Amerell/Kempter ergriff Zwanziger von Beginn an konsequent Partei für den jungen Referee Michael Kempter, mit dem ehemaligen Funktionär Manfred Amerell scheiterte zuletzt eine Mediation. Von autoritärer Amtsführung, Machtmissbrauch und kommunikativer Krise war zu lesen. Eine Zeitung nannte ihn «Zickzack-Zwanziger». Auch die bedingungslose Unterstützung für FIFA-Chef Joseph Blatter brachte ihm Kritik, vor allem nach seiner Wahl in die Exekutive des Weltverbands. «Die hat mich schon sehr enttäuscht. Nach meiner Wahl werde ich für Entscheidungen verantwortlich gemacht, mit denen ich nichts, aber auch rein gar nichts zu tun hatte und die ich kritisiere», sagte Zwanziger. Die Karriereleiter im DFB hatte der langjährige Vorsitzende des Fußballverbandes Rheinland als stets loyaler Mitarbeiter Stück für Stück erklommen. 1992 wurde Zwanziger, der als Mann der Basis gilt, als Beauftragter für soziale Integration in den Vorstand berufen. 2001 übernahm er den Posten des Schatzmeisters, 2004 war er dann an der Spitze angekommen. In Zukunft will Zwanziger sich verstärkt seiner Familie und seiner privaten Stiftung widmen, möglicherweise sogar ein Buch schreiben. «Ich bin glücklich, erleichtert, freue mich auf einen neuen Lebensabschnitt», sagte er «bild.de».
Interview bei dfb.de Reaktion Löw/Bierhoff auf dfb.de
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