Blatters Dilemma: Zwischen FIFA-Reform und Skepsis
Berlin (dpa) - 20.11.2011, 17:47 Uhr
Sogar FIFA-Präsident Joseph Blatter ist bereit, sich einer Überprüfung zu unterziehen. Foto: Walter Bieri
FIFA-Präsident Joseph Blatter gibt dem Aufklärungsdruck nach. Der Schweizer Boss des Fußball-Weltverbandes (FIFA) treibt die Entmachtung der FIFA-Exekutive Schritt für Schritt voran und will sich sogar selbst durchleuchten lassen. Aber seine neuste Glaubwürdigkeitsoffensive droht in der öffentlichen Empörung über seine verharmlosenden Äußerungen zum Rassismus im Fußball unterzugehen. «Wir müssen das Image der FIFA wieder dort hinbringen, wo der Fußball steht. Der Fußball hat ein sehr positives Image», erklärte Blatter in einem Interview der «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung». Neue Exekutivmitglieder sollen vor der Aufnahme in die FIFA-Regierung «ethisch und moralisch» überprüft werden. «Die FIFA wird ein Leumundszeugnis verlangen», sagte der 75-Jährige. Auch Blatter selbst würde sich einer solchen Überprüfung stellen: «Ja sicher.» Selbst die Ermittlungen der Ethik-Kommission gegen seine eigene Person unmittelbar vor der Präsidentenwahl am 1. Juni «könnte man komplett publik machen», so Blatter. «Ich will keine besondere Regelung.»
Das Problem bei Blatters Reformpolitik: Sämtliche Versuche, das ramponierte Image seiner Organisation zu verbessern, werden von großer Skepsis der Öffentlichkeit und der Medienwelt begleitet. Der Walliser, seit 1998 an der FIFA-Spitze und davor 17 Jahre lang Generalsekretär, gilt als Mitverantwortlicher des Systems, das er jetzt ändern will, um den Verband aus der größten Krise in dessen Geschichte zu führen. Die Vorwoche war ein passendes Beispiel. In zahlreichen Interviews wollte er für die Änderungen innerhalb der FIFA werben - stattdessen sah er sich tagelang mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. In einem TV-Gespräch hatte er Rassismus auf dem Platz geleugnet und sich dafür später mehrmals entschuldigt. Blatter fühlte sich falsch verstanden. Dabei will er bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2015 innerhalb der FIFA aufräumen. Und: «Es ist mir ein Anliegen, den Behauptungen entgegenzutreten, ich hätte Geld entgegen genommen. Das ist schlicht und einfach falsch. Das wurde auch bereits von einem Gericht widerlegt», sagte Blatter in einem Interview der «Aargauer Zeitung». |