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DFB: Referees müssen Führungszeugnis vorlegen

Frankfurt/Main (dpa) - 17.11.2011, 15:42 Uhr

DFB-Präsident Theo Zwanziger zieht Konsequenzen aus den Steuerermittlungen gegen Schiedsrichter. Foto: Boris Roessler
DFB-Präsident Theo Zwanziger zieht Konsequenzen aus den Steuerermittlungen gegen Schiedsrichter. Foto: Boris Roessler

Als Konsequenz aus der Steueraffäre müssen die deutschen Spitzenschiedsrichter von der kommenden Saison an ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Mit ersten Maßnahmen hat der DFB die Kontrolle der Erst- und Zweitliga-Referees verschärft, eine Führungskrise will sich DFB-Präsident Theo Zwanziger aber nicht andichten lassen. «Wir werden nächstes Jahr Europameister. Ich mache mir doch keine Sorgen um den Verband», meinte der 66-Jährige bei einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main, wo er das Vorgehen des Verbandes auch im Fall Manfred Amerell über eine Stunde lang ausführlich rechtfertigte.

Eine Verdachtssituation sei immer «die schwierigste Situation für einen Verband», sagte Zwanziger. «Deshalb muss man die Ruhe bewahren, um möglichst die ganze Wahrheit zu erfahren.» Er habe keine Informationen von den Behörden, die gegen 70 Referees wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermitteln. Der DFB habe aber alle Spielleiter der 1. und 2. Bundesliga sowie einige Assistenten befragt. Von 49 Referees hätten 42 angegeben, nichts mit den Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung zu tun zu haben, so Zwanziger. Sieben würden davon ausgehen, dass es zu Nachveranlagungen kommen könnte.

Zwanziger erwartet nicht, dass mögliche Nachzahlungen bei den Referees in ein Strafverfahren münden, räumte aber ein: «Ganz privat ist das nicht.» Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) fürchtet sogar Regressforderungen von den hoch bezahlten Bundesliga-Schiedsrichtern, falls er zu voreilig handelt. Deshalb wurden bisher auch keine Schutzsperren ausgesprochen. «Dort einzugreifen, das bedarf schon ein bisschen mehr als eines Verdachtes», sagte der Verbandschef und baute betroffenen Unparteiischen erneut eine goldene Brücke: «Jeder kann einen Fehler machen. Ich habe in meinem Leben auch schon viele gemacht. Das Entscheidende ist immer die Einsicht.»

Mit der obligatorischen Vorlage des polizeilichen Führungszeugnisses will der DFB eine weitere Vorsichtsmaßnahme ergreifen. Zudem beschloss die Schiedsrichter-Kommission unter Leitung von Herbert Fandel, dass künftig ein Integritätsraster vorgesehen ist, das klären soll, ob Schiedsrichter nach Verfehlungen weiter eingesetzt werden können. Als dritter Schritt ist eine Änderung in der DFB-Schiedsrichterordnung angedacht. Dort soll der Passus, die Spielleiter dürfen «dem Ansehen nicht schaden», juristisch verbindlicher formuliert werden.


«Die Schiedsrichter-Kommission ist keine Ermittlungskommission. Wenn Fakten auf dem Tisch liegen, werden sie Entscheidungen hören», kündigte Fandel an. Der Verband will aber gewappnet sein für den Fall, dass Spielleiter wegen eines Steuervergehens verurteilt werden und deshalb nicht mehr pfeifen sollen. «Wir haben im Moment gar keine Anhaltspunkte, aber wir werden uns vorbereiten auf eine solche Situation», sagte Zwanziger.

Namen von Unparteiischen, gegen die ermittelt wird, nannte der DFB nicht. Dies wäre unmoralisch, erklärte Fandel. Ob auch Mitglieder der Kommission in die Ermittlungen involviert sind, könne er «weder dementieren noch bestätigen», sagte der frühere FIFA-Referee aus Kyllburg. Auf die konkrete Frage, ob er selbst betroffen sei, antwortete Fandel: «Ich kann ihnen sagen: Als ich damals Kommissions-Vorsitzender wurde, da habe ich mir vorgenommen: Private Fragen beantworte ich nicht.»

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen der frühere DFB-Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell, der zusätzlich zum juristischen Streit mit dem früheren FIFA-Referee Michael Kempter im Dauerclinch mit dem Verband liegt. «Ich bin da überhaupt nicht böse. Wenn er uns hilft, die Dinge in zu Ordnung bringen, dann klären wir das auf», sagte Zwanziger zu Amerells Vorgehen und betonte: «Ich bin nicht der Feind von Herrn Amerell, ich verfolge ihn auch nicht.»

Der DFB ruhe auf sehr fest gefügten Grundlagen und werde auch nicht an so einem Fall zerbrechen. Der Dauerstreit belastet den DFB seit vielen Monaten, ein Mediationsverfahren mit Amerell, der einen neuen Vermittler ins Spiel gebracht hatte, lehnte Zwanziger ab.

Mitteilung DFB

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