Overath macht Weg frei - Suche nach neuem FC-Chef
Köln (dpa) - 14.11.2011, 12:31 Uhr
Wolfgang Overath wischt sich bei seinem Rücktritt eine Träne aus dem Auge. Foto: Rainer Dahmen
Am Ende war Wolfgang Overath nur noch zermürbt von Grabenkämpfen und unaufhörlicher Kritik an seiner Präsidentschaft. Resigniert, unter Tränen und auch mit spürbarem Zorn zog er sich nach mehr als sieben Jahren an der Spitze des 1. FC Köln zurück. Eine Ära endete, der Fußball-Traditionsverein muss für den Weltmeister von 1974 einen Nachfolger suchen, der aber wohl nicht mehr in diesem Jahr gekürt wird. Das Erbe des 68-Jährigen, der während der chaotischen, von Handgreiflichkeiten und hochkochenden Emotionen begleiteten Mitgliederversammlung auch als «Lichtgestalt» bezeichnet wurde, ist kein einfaches. Der Kölner Fußball-Konzern häufte in Overaths Amtszeit mehr als 30 Millionen Euro Schulden an, Trainer kamen und gingen - acht insgesamt. Ruhig waren die Zeiten nie, seit Overath 2004 in einer Art Palastrevolution die Macht an sich riss. Dem achten Chef in der FC-Historie musste Albert Caspers weichen - und Overath begann sein neues Amt mit einem Paukenschlag: Chefcoach Marcel Koller wurde entlassen, Huub Stevens zeitgleich mit der ersten Wahl Overaths unter dem Jubel der FC-Mitglieder als starker Mann auf der Bank installiert.
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Aufstieg 2005, Abstieg 2006 - die FC-Profis wurden zum Fahrstuhlteam. Mit «Heilsbringer» Christoph Daum, den Overath im November 2006 an das Geißbockheim zurückholte, wollte die Kölner Fußball-Ikone Visionen von Auftritten auf dem internationalen Parkett verwirklichen. Daum ging dann, Lukas Podolski kehrte heim - vielleicht der größte Coup Overaths, unter dessen Ägide die Mitgliederzahl boomte und von 16 000 auf fast 56 000 stieg. Jetzt müssen andere versuchen, den «local hero» Podolski beim FC zu halten. Der Anfang vom völlig überraschenden Ende der Overath-Amtszeit ist in der Nicht-Entlastung des Vorstands im November 2010 zu suchen. Am Sonntag stimmten 66,4 Prozent dafür, 33,6 Prozent dagegen - keine schallende Ohrfeige, aber eine deutliche Haltung der Mitglieder: Wir sind nicht mit allem einverstanden. |