Zu große Zurückhaltung ist für den Fan-Experten Gunter A. Pilz der falsche Ansatz. Die Bedrohung des Magdeburger Spielers Daniel Bauer hat für ihn «eine neue Qualität». «Solche Vorfälle muss man skandalisieren und kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Man kann nicht immer nur reden und mit Präventionen argumentieren. In solchen Fällen müssen auch klar Grenzen aufgezeigt werden», sagte der 66-Jährige von der Uni Hannover dem Internetanbieter «sport1.de». Bauer war am vergangenen Donnerstag von mehreren Unbekannten mit blau-weißen Sturmkappen in seiner Wohnung bedroht worden. Er hat inzwischen die Stadt verlassen und ist bei seinen Eltern in der Nähe von Koblenz untergetaucht. «Eine Rückkehr kann ich mir kaum vorstellen. Was ist, wenn diese Chaoten einen Rachefeldzug starten?», sagte Bauers Berater Henry Hennig der dpa. Eine Vertragsauflösung sei möglich. Zweitligist Dynamo Dresden hat nach den Krawallen beim Pokalspiel in Dortmund bereits erste Konsequenzen gezogen. Beim Auswärtsspiel in St. Pauli am 27. November verzichtet der Verein freiwillig auf seine Fans. Zugleich fordern die Sachsen, dass Gäste-Fanblocks künftig auch in der Verantwortung der Gäste liegen müssten. «Es darf keine Denkverbote mehr geben, wenn es um Sicherheit in deutschen Stadien geht», sagte Vereinspräsident Andreas Ritter der «Sächsischen Zeitung» (Dienstag). Während Fanvertreter vor einer pauschalen Verurteilung von Ultra-Fans warnten, kritisierte die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte Ligapräsident Reinhard Rauball scharf. «Wenn der Kollege Dr. Rauball öffentlich über die angeblich zu weitgehende Nachsicht sehr verständnisvoller Gerichte fabuliert und sich zum Beleg für diese These allein auf angebliche Stimmen aus der Bevölkerung beruft, offenbart er nicht nur seinen Hang zu Populismus, sondern vor allem eine weitgehende Unkenntnis der Materie», erklärte der Zusammenschluss von Anwälten, die regelmäßig Fußballfans vertreten. Rauball hatte in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» gesagt: «Man muss leider konstatieren: Die ordentliche Gerichtsbarkeit, die sich mit Straftaten zu beschäftigen hat, hat nicht unbedingt mitgezogen. Man braucht nun wirklich keine Stammtische, um in der Bevölkerung zu hören, dass die Nachsicht sehr verständnisvoller Gerichte sehr weit geht.»
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