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Treffen zu Fangewalt - Bach: Wehret den Anfängen

Berlin (dpa) - 01.11.2011, 17:08 Uhr

Zuletzt hatten unter anderem Anhänger von Dynamo Dresden für Krawall gesorgt. Foto: Bernd Thissen
Zuletzt hatten unter anderem Anhänger von Dynamo Dresden für Krawall gesorgt. Foto: Bernd Thissen

Das lange anberaumte Spitzentreffen von DFB und DFL wird unfreiwillig zur Krisensitzung. Nach den jüngsten Krawallen im deutschen Fußball und der Bedrohung eines Magdeburger Spielers durch vermummte Anhänger ist das Thema Fangewalt zur Chefsache geworden.

Die Erwartungen vor dem Spitzentreffen von DFB und DFL-Vertretern am Mittwoch in Frankfurt und dem Runden Tisch im Innenministerium am 14. November in Berlin sind enorm. Beide Dachorganisationen warnten allerdings vor übersteigertem Optimismus. Deutschlands oberster Sportfunktionär Thomas Bach forderte eine «gut dosierte Mischung aus hartem polizeilichen Durchgreifen und Prävention».

Die eskalierende Gewalt habe für deutsche Stadien eine neue Qualität, wenn die Polizei direkt angegriffen werde, so Bach. Es gebe ausreichend Maßnahmen wie Stadion- oder Reiseverbote, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. «Die Lage ist ernst. Man muss das aber richtig einordnen. Wir haben bei der Katastrophe im Heysel-Stadion und bei englischen Hooligans gesehen, dass dies zu einer absoluten Katastrophe führen kann. Wehret den Anfängen», erklärte Bach. Der Eskalation müsse ein Riegel vorgeschoben werden.

Politiker der CDU und CSU forderten langjährige Stadionsperren für Randalierer bis hin zu einem lebenslangen Ausschluss. «Gerade gegenüber extremen Gewalttätern müssen bundesweit wirksame Stadionverbote über mehrere Jahre konsequent angewendet werden», sagte Bayerns Innenminister Joachim Hermann dem Online-Dienst «bild.de». Der CSU-Politiker ergänzte: «Je brutaler die Gewalt, desto länger muss das Verbot sein.» Amtskollege Uwe Schünemann (CDU) aus Niedersachsen meinte: «Wer den Besuch eines Fußballstadions dazu missbraucht, Gewalttaten zu begehen, darf ein Stadion nicht mehr betreten!»

«Angesichts der Komplexität des Themas kann es keine Patentrezepte geben. Ziel von DFB und Liga ist es daher, im Dialog mit allen Beteiligten abgestimmte, praktikable und wirksame Lösungen zu erarbeiten, die dann konsequent umgesetzt werden», sagte indes ein Sprecher der Deutschen Fußball Liga (DFL). Bei den Treffen am Mittwoch und am 14. November handle es sich um lange vereinbarte Termine. Es werde aber «sicherlich auch das Thema Sicherheit ausführlich erörtert werden», teilte ein Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit.


Zu große Zurückhaltung ist für den Fan-Experten Gunter A. Pilz der falsche Ansatz. Die Bedrohung des Magdeburger Spielers Daniel Bauer hat für ihn «eine neue Qualität». «Solche Vorfälle muss man skandalisieren und kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Man kann nicht immer nur reden und mit Präventionen argumentieren. In solchen Fällen müssen auch klar Grenzen aufgezeigt werden», sagte der 66-Jährige von der Uni Hannover dem Internetanbieter «sport1.de».

Bauer war am vergangenen Donnerstag von mehreren Unbekannten mit blau-weißen Sturmkappen in seiner Wohnung bedroht worden. Er hat inzwischen die Stadt verlassen und ist bei seinen Eltern in der Nähe von Koblenz untergetaucht. «Eine Rückkehr kann ich mir kaum vorstellen. Was ist, wenn diese Chaoten einen Rachefeldzug starten?», sagte Bauers Berater Henry Hennig der dpa. Eine Vertragsauflösung sei möglich.

Zweitligist Dynamo Dresden hat nach den Krawallen beim Pokalspiel in Dortmund bereits erste Konsequenzen gezogen. Beim Auswärtsspiel in St. Pauli am 27. November verzichtet der Verein freiwillig auf seine Fans. Zugleich fordern die Sachsen, dass Gäste-Fanblocks künftig auch in der Verantwortung der Gäste liegen müssten. «Es darf keine Denkverbote mehr geben, wenn es um Sicherheit in deutschen Stadien geht», sagte Vereinspräsident Andreas Ritter der «Sächsischen Zeitung» (Dienstag).

Während Fanvertreter vor einer pauschalen Verurteilung von Ultra-Fans warnten, kritisierte die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte Ligapräsident Reinhard Rauball scharf. «Wenn der Kollege Dr. Rauball öffentlich über die angeblich zu weitgehende Nachsicht sehr verständnisvoller Gerichte fabuliert und sich zum Beleg für diese These allein auf angebliche Stimmen aus der Bevölkerung beruft, offenbart er nicht nur seinen Hang zu Populismus, sondern vor allem eine weitgehende Unkenntnis der Materie», erklärte der Zusammenschluss von Anwälten, die regelmäßig Fußballfans vertreten.

Rauball hatte in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» gesagt: «Man muss leider konstatieren: Die ordentliche Gerichtsbarkeit, die sich mit Straftaten zu beschäftigen hat, hat nicht unbedingt mitgezogen. Man braucht nun wirklich keine Stammtische, um in der Bevölkerung zu hören, dass die Nachsicht sehr verständnisvoller Gerichte sehr weit geht.»

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