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Fall Kempter/Amerell geht in nächste Runde

Frankfurt/Main (dpa) - 28.10.2011, 17:17 Uhr

Der frühere Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell (r) liegt im juristischen Streit mit Schiedsrichter Michael Kempter. Foto: Patrick Seeger
Der frühere Schiedsrichter-Obmann Manfred Amerell (r) liegt im juristischen Streit mit Schiedsrichter Michael Kempter. Foto: Patrick Seeger

Der Dauerstreit in der Schiedsrichter- Affäre Manfred Amerell und Michael Kempter geht in die nächste Runde. Vor der Berufungsverhandlung am 7. Dezember am Oberlandesgericht Stuttgart bekämpfen sich die beiden Parteien mit neuen juristischen und verbalen Mitteln.

Amerell ließ über seinen Anwalt Jürgen Langer (München) der Nachrichtenagentur dpa mitteilen, dass er Strafanzeige gegen das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und den Präsidenten Theo Zwanziger stellen werde. Der Verband habe Kempters Anwalt Christoph Schickhardt (Ludwigsburg) für seine Einsätze für Herrn Kempter bezahlt, so sein Vorwurf. Der DFB bestritt dies vehement. «Das ist völliger Unsinn. Der DFB zahlt natürlich nicht die Arbeit von Herrn Schickhardt für Herrn Kempter», sagte Mediendirektor Ralf Köttker.

Einige Stunden später erklärte der DFB, dass er Amerell und Langer abgemahnt habe. Die beiden wurden zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung aufgefordert. Außerdem haben Schickhardt im Auftrag Kempters und DFB bei der Staatsanwaltschaft in München Strafanzeige gegen unbekannt erstattet, nachdem am Montag Beamte der Steuerfahndung in der Frankfurter DFB-Zentrale waren.

Hintergrund seien Hinweise darauf, dass Einzelheiten der Aktion der Steuerfahnder offensichtlich bereits im Vorfeld an die Öffentlichkeit gelangt waren. Dies begründe den Verdacht, dass Amtsträger pflichtwidrig Dienstgeheimnisse an Außenstehende weitergegeben haben. Der DFB kündigte weitere rechtliche Schritte an.

Schickhardt geht es um das Auftauchen Amerells am 24. Oktober vor dem Hause Kempters in Sauldorf, als dieser wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung Besuch von Beamten bekam. Amerell bestreitet seine Anwesenheit nicht, bezeichnete dies aber als «Privatsache». Gegen Kempter wird wie gegen mehrere andere Schiedsrichter wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung derzeit ermittelt.


Schickhardt spricht von einer «Bedrohungslage» für Kempter. «Herr Amerell bringt meinen Mandanten persönlich in Bedrängnis, das hat Mobbingcharakter. Er beweist mit diesem Vorgehen, dass er das justizförmliche Verfahren verlassen will, weil er da in der Sackgasse ist», sagte der Anwalt der dpa.

Amerell entgegnete: «Mit der Geschichte und diesen grotesken Verdächtigungen verliert Herr Schickhardt seine Professionalität. Er reagiert wie ein angeschlagener Boxer.» Laut Schickhardt hätten Kempters Mutter und Bruder gegen sechs Uhr morgens beim Verlassen des Hauses in der Dunkelheit bemerkt, dass Amerell zusammen mit einem Fotografen in einem PKW in Sichtweite saß.

Da Amerell von dem Besuch der Beamten eigentlich nichts gewusst haben dürfte, hat Schickhardt Strafanzeige gegen unbekannt wegen Amtspflichtverletzung und Verletzung von Dienstgeheimnissen gestellt. «Ein solches Zusammenspiel gefährdet die Ermittlungen und den Schutz der Familie Kempter», so Kempters Rechtsvertreter.

Die juristische Dauerfehde zwischen Ex-Funktionär Amerell (64) und seinem ehemaligen Schützling Kempter (28) bereitet DFB-Präsident Zwanziger große Sorgen. «Der Fall ist sensibler, als mancher denkt», hatte er zuvor in einem Interview der «Rhein-Zeitung» gesagt. Der Verband wolle deshalb zwischen Amerell und Kempter vermitteln.

«Wir müssen doch zumindest einen Versuch starten, dass es hier zu einer irgendwie gearteten Einigung kommt oder eben das Schlimmste verhindert wird. Daran arbeiten wir jetzt seit vier Monaten.» Er hoffe darauf, dass «zwei Menschen, die sich einmal ganz gut verstanden haben, wieder in einer vernünftigeren Form miteinander umgehen können», sagte Zwanziger.

Kempter hatte Amerell sexuelle Übergriffe vorgeworfen, was dieser stets bestritten hat. Der Fall hatte bundesweit für große Schlagzeilen gesorgt. Nachdem Amerell angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten bei seinem einstigen Schützling aufgefallen waren, soll er mit einer Anzeige bei der Finanzdirektion Augsburg die jüngste Schiedsrichter-Affäre ausgelöst haben.

Amerell hatte im Mai einen Prozess vor dem Landgericht Hechingen verloren, wo ihm kein Schadensersatz von Kempter zugesprochen worden war. Die Berufungsverhandlung ist für den 7. Dezember vor dem Oberlandesgericht Stuttgart angesetzt.

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