Der Fußball-Weltverband FIFA wird nach jahrelanger Weigerung nun doch Einblick in die Akten aus der ISL-Bestechungsaffäre gewähren. Das teilte FIFA-Präsident Joseph Blatter nach einer zweitägigen Sitzung des Exekutivkomitees in Zürich mit.
«Der Fall ISL hat schon viel Unruhe verursacht. Heute hat das Exekutivkomitee auf meine Bitte beschlossen, diese Akte zu öffnen. Das ist eine Akte mit rechtlichen Auswirkungen, und wenn Maßnahmen zu ergreifen sind, wird das nicht das Exko tun, sondern eine externe Organisation», erklärte der 75 Jahre alte Schweizer bei seiner mit Spannung erwarteten Pressekonferenz in der FIFA-Zentrale.
Damit könnten die Namen von hochrangigen Funktionären publik werden, die von der mittlerweile bankrotten Vermarktungsagentur ISL bestochen worden sein sollen. 2008 waren während des Strafprozesses gegen die ISL Zahlungen an FIFA-Vorstandsmitglieder publik geworden. Diese Zahlungen sollen zwischen 1989 und 2001 über dubiose Kanäle geflossen sein. Damit hatte sich die ISL offenbar lukrative Marketingrechte gesichert. Eine völlige Aufklärung gab es nie.
Das Strafgericht Zug stellte das Verfahren im Juni 2008 ein, nachdem die Begünstigten 5,5 Millionen Schweizer Franken an die FIFA zurückgezahlt hatten. Für diesen Deal blieben die Sünder bis heute anonym. Bei den Beschuldigten soll es sich um die Exko-Mitglieder Ricardo Texeira (Brasilien), Nicolás Leoz (Paraguay) und Issa Hayatou (Kamerun) handeln. Alle bestreiten die Vorwürfe.