Boninsegna bleibt dabei: «Ich war bewusstlos»
Mönchengladbach (dpa) - 20.10.2011, 08:47 Uhr
Mailands Fußball-Star Roberto Boninsegna wird nach dem Büchsenwurf vom Platz getragen. Foto: dpa
Vor 40 Jahren feierte Borussia Mönchengladbach beim 7:1-Erfolg gegen Inter Mailand eine Sternstunde im Europapokal. Doch der Sieg wurde von einem Büchsenwurf überschattet. Der Italiener Roberto Boninsegna sank zu Boden, das Spiel wurde annulliert, Gladbach schied aus. Es war eines der größten internationalen Spiele einer deutschen Clubmannschaft und gleichzeitig einer der größten Skandale im Fußball-Europapokal. «Unser Superspiel ist nicht belohnt worden. Das war eine himmelschreiende Ungerechtigkeit», erinnert sich Rainer Bonhof, heutiger Vizepräsident von Borussia Mönchengladbach. Der ehemalige Nationalspieler war damals Teil der Gladbacher Elf, die in einer atemberaubenden Partie im Europapokal der Landesmeister am Bökelberg mit 7:1 gegen Inter Mailand gewann. Doch der große Sieg am 20. Oktober 1971 war gleichzeitig auch ein dunkles Kapitel in der Vereinsgeschichte.
Es geschah in der 28. Minute beim Stand von 2:1 für die Gastgeber: Nach einem Gerangel zwischen dem Gladbacher Luggi Müller und Inter-Torjäger Roberto Boninsegna flog der Ball vor der Westtribüne ins Seitenaus. Boninsegna forderte Einwurf und fiel im gleichen Moment zu Boden. «Er lag da wie ein sterbender Schwan», erinnert sich der heute 70 Jahre alte Müller. Boninsegna, von einer Cola-Dose getroffen, blieb wie benommen liegen und wurde vom Platz getragen. Nach einer sechsminütigen Unterbrechung setzte der niederländische Schiedsrichter Jef Dorpmans die Begegnung fort. Doch der große Gala-Auftritt der «Fohlen», die durch Tore von Ulrik Le Fevre (2), Günter Netzer (2), Jupp Heynckes (2) und Klaus-Dieter Sieloff zum deutlichen Sieg kamen, war am Ende nichts mehr wert. Die UEFA annullierte die Partie und setzte ein Wiederholungsspiel auf neutralem Platz an. Das Rückspiel verloren die Gladbacher in Mailand mit 2:4, das Wiederholungsspiel in Berlin endete 0:0 und der deutsche Meister schied aus dem Wettbewerb aus. |