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«Kaiser» glaubt an Großes - Hoeneß bescheiden

München (dpa) - 10.10.2011, 15:30 Uhr

Ehrenpräsident Franz Beckenbauer (l) ist mit der Arbeit von Bayern-Trainer Jupp Heynckes sehr zufrieden. Foto: Patrick Seeger.
Ehrenpräsident Franz Beckenbauer (l) ist mit der Arbeit von Bayern-Trainer Jupp Heynckes sehr zufrieden. Foto: Patrick Seeger.

Der «Kaiser» glaubt schon an das Champions-League-Finale im eigenen Stadion, doch sein Präsidenten-Nachfolger Uli Hoeneß mahnt beim FC Bayern München Bescheidenheit an.

Wenn der FC Bayern sein derzeitiges Niveau halten könne, wäre der Einzug ins Königsklassen-Endspiel am 19. Mai 2012 in München «realistisch», sagte der 66-jährige Franz Beckenbauer dem «Kicker» - und verärgerte dank seines geballt nach außen getragenen Optimismus prompt Hoeneß.

«Der Franz tut sich leicht, sitzt in Salzburg, sagt mal dieses und mal jenes», sagte der langjährige Manager bei einer Veranstaltung der Bundesliga-Basketballer in der Landeshauptstadt. «Der Druck ist eh hoch genug. Es macht keinen Sinn, jetzt über das Champions-League-Finale nachzudenken», urteilte Hoeneß. Bisher haben die national und international überzeugenden Bayern die beiden einzigen Partien in der Fußball-Königsklasse für sich entschieden. Die gute Form beeindruckt auch Hoeneß - jedenfalls ein wenig.

«Ich gehe auch davon aus, dass wir die Gruppenphase überstehen», sagte der Vereinschef - dafür aber könne in der K.o.-Phase gegen einen starken Gegner wie den FC Barcelona auch schnell das vorzeitige Aus drohen. Die Maßgabe: «Wir sollten schön bescheiden bleiben.»

Beckenbauer, graue Eminenz des deutschen Rekordmeisters aus München, zeigte sich vor allem über die Kontinuität der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes erfreut: «Es läuft alles wunderbar.» Vom Auftreten her habe das Bayern-Ensemble ein «völlig anderes Gesicht» als noch in der Vorsaison, als der erfolgsverwöhnte Verein die Fußball-Bundesliga nur auf einem enttäuschenden dritten Rang abschloss. Nun führt er die deutsche Eliteliga bereits mit drei Punkten Vorsprung auf die ersten Verfolger an.


Mit einem Alleingang der Münchner rechnet Beckenbauer trotz des guten Starts aber nicht: «Es werden auch Schwächephasen kommen, Verletzungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der FC Bayern die bisherige Leistung bis Saisonende durchzieht», meinte der frühere Bayern-Präsident. Weitere Ausfälle drohen zumindest erstmal nicht - im Gegenteil. Arjen Robben (Leistenbeschwerden) solle Ende der Woche wieder ins Lauftraining einsteigen, erklärte Hoeneß - und betonte, dass Gerüchte über einen neuerlichen Zwist zwischen den Bayern und dem niederländischen Verband KNVB «ein Missverständnis» seien.

Auch beim aus der Untersuchungshaft entlassenen Brasilianer Breno stehen die Zeichen auf Besserung. «Der Verein hat ihm ein Haus besorgt, in dem er mit seiner Frau und seiner Familie wohnt. Sie werden rund um die Uhr versorgt», sagte Hoeneß. Der 21-Jährige steht aber weiterhin unter Verdacht, seine Villa im Münchner Nobel-Vorort Grünwald vorsätzlich in Brand gesetzt zu haben.

Beckenbauer lobte nicht nur den FC Bayern - auch die Nationalelf kam bestens weg. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw habe «aufgeschlossen. Und sie werden in den nächsten Jahren noch weiter nach vorne kommen. Alle Positionen sind zweifach und bestens besetzt», sagte er. Für die EM 2012 in Polen und der Ukraine seien die DFB-Elf und Spanien «die Topfavoriten», gefolgt von Frankreich und den Niederlanden.

Ein kaiserliches Kompliment bekam der zuletzt viel gescholtene Weltverband FIFA und dessen Präsident Joseph Blatter. «Man sagt immer, Sepp Blatter müsse Reformen anschieben: welche Reformen denn? In der FIFA läuft alles nach demokratischen Regeln ab, der Afrikaner wählt seine Vertreter, der Europäer, jeder Kontinentalverband», sagte Beckenbauer. Die heftige Kritik von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge an FIFA-Boss Blatter fand Beckenbauer «schade. Da fielen Ausdrücke, die nicht passten. Man sollte das Menschliche nicht vergessen. Mit Sepp Blatter kann man doch reden.»

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