Kuranyi lässt Dynamo Moskau von Europacup träumen
Moskau (dpa) - 19.07.2011, 10:17 Uhr
Kevin Kuranyi will sich mit Dynamo Moskau ins internationale Geschäft spielen.
4:1 gegen Lokomotive Moskau, 5:0 im heimischen Pokal: Kevin Kuranyi und Dynamo Moskau eilen Richtung Europacup. Ein Jahr nach seinem spektakulären Wechsel nach Russland hat sich der Ex-Schalker längst im Gastgeberland der Fußball-WM 2018 akklimatisiert. Kuranyi erlebt ein «Sommermärchen» - und muss um seinen Bart fürchten: Fans wollen den Stürmer rasieren, sollte der Außenseiter-Club den Meistertitel holen. «Zur Feier müssen die Haare ab», drohen Dynamo-Anhänger scherzhaft im Internet. «Keine gute Idee», kommentiert Kuranyi, der aber die sportliche Situation im Verein «fantastisch» findet. Nach nur drei Niederlagen in bisher 16 Saisonspielen steht der Hauptstadt-Club überraschend auf Platz drei, der die Qualifikation für die Champions League bedeuten würde. Platz fünf würde immerhin die Europa League sichern. Trotz eines neuen Vereinsrekords denkt Kuranyi nicht an die Meisterschaft. «Ziel bleibt ein internationaler Startplatz», sagt der 29-Jährige der Nachrichtenagentur dpa.
Die Saison hatte im März katastrophal für Dynamo begonnen: Nach zwei Niederlagen in drei Spielen musste Coach Miodrag Bozovic gehen, und der Verein bemühte sich intensiv um Felix Magath. Doch dann schlug die vereinsinterne Notlösung Sergej Silkin ein - und soll bleiben. «Ich kam mit Bozovic gut zurecht, aber der Wechsel war wohl richtig», sagt Kuranyi. «Silkin ist seit 1997 bei Dynamo, er kennt den Verein also gut.» Die russische Premier Liga spielt die längste Saison ihrer Geschichte: Da der Spielbetrieb auf den westlichen Rhythmus umgestellt wird, steht der Meister erst im Frühjahr 2012 fest - nach 44 Spielen. «Brutal lang», kommentiert Kuranyi. Vier Tore, fünf Vorlagen: Die Formstärke des Ex-Nationalspielers hat bei Dynamo Hoffnungen auf die erste Europapokal-Teilnahme seit Jahren geweckt. Fans träumen sogar vom ersten Titel seit 1995 - und vom Comeback ihres Idols in der DFB-Elf. In einem Brief an Bundestrainer Joachim Löw forderten Dynamo-Anhänger Kuranyis Rückkehr, wie Moskauer Medien berichten. «Damit beschäftige ich mich aktuell nicht», sagt der 52-fache Nationalspieler. Kuranyi hatte 2008 in der Halbzeit eines Länderspiels das Stadion in Dortmund eigenmächtig verlassen. Der Stürmer war verärgert, nicht einmal auf der Auswechselbank zu sitzen. Löw nominiert ihn seitdem nicht mehr. |