Vom Verband sei durch die terminliche Verschiebung der Bundesliga «alles nur Mögliche für ein erfolgreiches Abschneiden getan» worden, bemerkte DFB-Vize Hocke. «Dass da am Ende nichts Zählbares rausgekommen ist, ist eine Enttäuschung - das ist sogar beängstigend», betonte der Leiter des Frankfurter WM-Büros in der «Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen». Sorgen um ihre eigene Zukunft müsste sich Neid allerdings trotz erstmals verpasster Olympiaqualifikation wohl kaum machen, wenn sie sich zum Weitermachen entschließt. Unterstützung erhält sie von höchster Stelle. «Wenn sie will, kann sie noch bis 2020 bleiben», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger und versuchte damit eine mögliche Trainerinnen-Debatte im Keim zu ersticken. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel stärkte der Bundestrainerin nach dem WM-Aus mit einem Telefonat den Rücken. Dass Zwanziger vor der WM stolz den neuen Kontrakt mit der 47-Jährigen bis 2016 verkündet hatte, wird allerdings mit Argwohn betrachtet. «Es wäre zu einfach, Neid die ganze Schuld am Scheitern zu geben», meinte Schröder. «Doch es war vom DFB auch nicht nötig, ihren Vertrag vor der WM ohne Not zu verlängern.» Als entscheidenden Faktor für das sensationelle Scheitern wertete Neid erneut den großen Erwartungsdruck. «Jede Spielerin wollte das Beste bringen. Aber wenn man immer das Gefühl hat: Ich muss, ich muss, ich muss - dann verliert man seine Leichtigkeit», sagte sie. Zwar habe man seit 2009 mit einem Psychologen gearbeitet. «Aber dann sind 70 000 Fans im Stadion, die Spielerinnen lesen, dass 16 Millionen Menschen vor dem Fernseher saßen, die Menschen jubeln uns auf dem Weg ins Stadion zu - wie will man darauf vorbereitet sein?» Neid selbst hatte direkt nach dem Spiel betont, dass sie sich «eigentlich gar keinen Vorwurf» mache und verwies auch am Montag darauf, dass sie sich mit ihrem Team «monatelang auf jedes Detail vorbereitet» habe. Noch vor einem halben Jahr sei sie zur Welttrainerin gewählt worden. «Ich kann ja nicht alles verlernt haben.» Es gebe einige Anfragen, auch aus Bereichen außerhalb des Fußballs. Zu einer umfassenden Korrektur ihres Kurses und zu einem größeren Umbruch im Team sieht die 47-Jährige im Falle der Weiterführung ihrer Arbeit keinen Notwendigkeit. «Wir müssen keinen großen Neuaufbau machen. Unsere Mannschaft ist relativ jung, hat ein Durchschnittsalter von 26», erklärte Neid. Bislang ist nur sicher, das Prinz (33 Jahre) und Ariane Hingst (31) ihre internationalen Karrieren beendeten. Inka Grings (32) mochte in der ersten Enttäuschung noch keinen Gedanken an ihre Zukunft daran verschwenden. Die gleich alte Torhüterin Nadine Angerer hat sich dagegen schon festgelegt, will so auf keinen Fall abtreten: «Ich denke nicht ans Aufhören, jetzt erst recht nicht.»
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