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Pulverfass FIFA: Warner beschuldigt Blatter

Zürich (dpa) - 30.05.2011, 12:46 Uhr

Der suspendierte FIFA-Vizepräsident  Jack Warner beschuldigt FIFA-Chef Joseph Blatter.
Der suspendierte FIFA-Vizepräsident Jack Warner beschuldigt FIFA-Chef Joseph Blatter.

Pikante Anschuldigungen gegen FIFA-Präsident Joseph Blatter und FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke, millionenschwere Regressforderungen und die Bankrotterklärung eines Spitzenfunktionärs: Die FIFA ist weiter ein Pulverfass, das jeden Tag explodieren kann.

Der vom Weltverband erhoffte Befreiungsschlag durch die Suspendierung der Exekutiv-Mitglieder Mohamed bin Hammam und Jack Warner und den «Freispruch» für Blatter blieb aus - ganz im Gegenteil: Der angekündigte «Fußball-Tsunami» hat sich noch längst nicht verzogen.

Die Forderungen nach einer Verschiebung der für den 1. Juni geplanten Präsidentenwahl verstummen nicht. Valcke, der nach der Entscheidung der Ethikkommission noch verkündet hatte, «es gibt keinen Grund, nicht zu wählen», wird jetzt selbst beschuldigt. Der Franzose soll in einer E-mail an Warner angedeutet haben, dass Katar die WM 2022 gekauft habe, behauptet der Funktionär aus Trinidad & Tobago im «Daily Telegraph».

Diese Anschuldigungen seien bekannt, erklärte FIFA-Mediendirektor Nicolas Maingot: «Wir prüfen das und gehen der Sache nach.» Bin Hammam, «sehr enttäuscht» über das Urteil, erwägt rechtliche Schritte und warf Valcke vor, die Ethikkommission beeinflusst zu haben. Vor diesem Hintergrund scheint auch Katar um seine ohnehin umstrittene Gastgeberrolle für die WM 2022 bangen zu müssen.

«Noch bezieht sich diese ekelerregende Geschichte nur auf die Präsidentenwahl und nicht auf die skandalöse Vergabe der WM 2022 an Katar. Diese Geschichte wird noch aufgerollt werden müssen», titelte die «La Gazzetta dello Sport» stellvertretend für viele Blätter. Der «Daily Mirror» nannte das FIFA-Chaos sogar einen «Stalinesken Schauprozess».


Von den 24 Mitgliedern der FIFA-Exekutive stehen inzwischen zehn unter Betrugsverdacht. Tiefgreifende Reformen sind überfällig, will der Verband nicht seine letzte Glaubwürdigkeit verspielen. «Da muss wieder Ruhe reinkommen, damit man sieht, dass der Fußball ein sauberer Sport ist», sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff am Sonntag nach dem 2:1-Sieg der DFB-Elf gegen Uruguay in Sinsheim.

Wenige Stunden zuvor hatte die Ethikkommission des Weltverbandes in der Besetzung Petrus Damaseb (Namibia), Juan Pedro Damiani (Uruguay), Sondre Kaafjord (Norwegen), Les Murray (Australien) und Robert Torres (Guam) die Exko-Mitglieder bin Hammam und Warner wegen Bestechungsvorwürfen vorläufig suspendiert. Beide bestreiten alle Anschuldigungen. Ihr langjähriger Kollege in der Exekutive, Chuck Blazer (USA), der mit Informationen an Valcke den Stein ins Rollen gebracht hatte, warf bin Hammam und Warner allerdings Bestechung «von Beginn» des Wahlkampfs an vor. «Es war eine Verschwörung der beiden von Anfang an», sagte Blazer.

FIFA-Vize Warner schlug prompt zurück, beschuldigte Blatter der Korruption, verurteilte seinen Ausschluss scharf und kündigte weitere Enthüllungen an. Die Ethikkommission sei «voreingenommen» gewesen und das ganze Vorgehen «ein Missbrauch des Prozessverfahrens». Verärgert legte Warner nach: «Ich werde bald sehr viel mehr zu dieser Sache sagen.»

Sein Vorwurf an Blatter: Der 75 Jahre alte Schweizer habe dem Kontinentalverband Nord- und Mittelamerika/Karibik (CONCACAF) ein «Geschenk» von einer Million Dollar zukommen lassen, um das Geld «nach eigenem Ermessen» zu verwenden. Diese Information habe er auch der Ethikkommission übermittelt, erklärte der Funktionär aus Trinidad & Tobago, gleichzeitig CONCACAF-Präsident. Laut Warner habe die Spende Blatters UEFA-Präsident Michel Platini «verärgert», weil Blatter «keine Erlaubnis von der FIFA-Finanzkommission» hatte. «Blatter muss gestoppt werden», forderte Warner.

Eine geräuschlose Wiederwahl des Amtsinhabers in Zürich ist ohnehin ausgeschlossen. Eine Dreiviertel-Mehrheit der 208 Mitgliedsverbände für einen Stopp der Wahl dürfte zwar nicht zustande kommen, aber eine Jubelfeier per Akklamation ist auch nicht zu erwarten - dies wäre zu diesem Zeitpunkt auch ein denkbar falsches Signal.

Aus Australien kam unterdessen die erste Forderung nach einer Rückerstattung der Bewerbungskosten für die WM 2022. Das Dossier habe wegen der korrupten Strukturen in der FIFA keine Chance gehabt, erklärte Senator Nick Xenophon und rief seine Regierung dazu auf, von der FIFA die 46 Millionen Dollar zurückverlangen.

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