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«Völlig skrupellos»: Wettpate Ante Sapina verurteilt

Bochum (dpa) - 19.05.2011, 18:20 Uhr

Ante Sapina erwartet im Landgericht Bochum den Urteilsspruch.
Ante Sapina erwartet im Landgericht Bochum den Urteilsspruch.

Das Spiel ist aus! Ante Sapina, Deutschlands berüchtigtster Wettbetrüger, ist zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Worte von Richter Wolfgang Mittrup glichen einer Generalabrechnung.

Sapina & Co. hätten nur aus Profitgier gehandelt und die «Begeisterung vieler Fans schändlich beschädigt». Völlig skrupellos sei Zuschauern ein falscher Spielverlauf vorgegaukelt worden. Sapinas Komplize Marijo C. wurde vom Bochumer Landgericht ebenfalls zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Gegen Dragan M., den dritten Verurteilten, verhängten die Richter anderthalb Jahre Haft auf Bewährung.

Schiedsrichter, Fußballspieler, Funktionäre - Sapina hatte sie alle auf seiner heimlichen «Lohnliste». Der 35-jährige Berliner zahlte pro Spiel bis zu 50 000 Euro Bestechungsgeld. Betroffen waren sogar Partien der Europa League und der WM-Qualifikation. Seine Wettgewinne belaufen sich laut Staatsanwaltschaft auf über 2,3 Millionen Euro.

Richter Wolfgang Mittrup sprach im Urteil von einem «erschreckenden Verhalten» und «unendlicher Großmannssucht». Die Angeklagten seien bei der Durchsetzung ihrer Interessen völlig skrupellos gewesen. «Sie sind keine gewieften Größen der Wettszene, sondern einfach nur ganz abgefeimte Betrüger.»

Schwarzer Anzug, schwarze Krawatte, weißes Hemd: Sapina hatte sich extra in Schale geschmissen, als er ins Bochumer Landgericht kam. Dabei war der Anlass alles andere als feierlich. Die Anspannung war ihm schon eine halbe Stunde vor Prozessbeginn anzumerken. «Mit meiner Mutter ist alles geklärt», sagte er auf dem Gerichtsflur. «Sie weiß, dass es wieder länger dauern kann, bis ich nach Hause komme.» Sapina muss die Strafe aber erst antreten, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Sollten die Verteidiger Revision einlegen, könnte das noch Monate dauern. Nach der Urteilsverkündung verließ er fast fluchtartig den Saal.


Es war der 19. November 2009, als Sapina & Co. morgens in aller Frühe aus ihren Betten geholt und festgenommen wurden. Bis heute füllen die Ermittlungen 33 Aktenordner mit rund 15 000 Blatt Papier. Dazu gibt es 600 weitere Akten und abgehörte Telefongespräche. Die Angeklagten hatten ihr Insiderwissen genutzt, um in Asien atemberaubende Wetten zu platzieren. Selbst das WM-Qualifikationsspiel zwischen Liechtenstein und Finnland vom 9. September 2009 wurde verschoben. Sapina hatte dem Schiedsrichter 30 000 Euro gezahlt. Die Vorgabe: zwei Tore in der zweiten Halbzeit. Genau so ist es gekommen.

Staatsanwalt Andreas Bachmann hatte die Angeklagten in seinem Plädoyer als «Feinde des Sports» bezeichnet. Ihnen sei es völlig egal gewesen, ob Mannschaften auf- oder absteigen. Zur Motivation der Angeklagten hatte Bachmann erklärt: «Ein Grund war Habgier, der andere Geltungssucht.» Vor allem Sapina habe in der Champions League der Wettbetrüger spielen wollen. Nach Ansicht der Verteidiger habe der Fußball jedoch längst seine Unschuld verloren. Sapinas Anwalt Stefan Conen sagte dazu in seinem Plädoyer: «Der Sport ist keine Jungfrau. Es ist nicht so, dass schmutzige Herren in einen sauberen Teich gesprungen sind.»

Die Bochumer Staatsanwaltschaft war ursprünglich von rund 50 manipulierten Fußballspielen ausgegangen. In das Urteil flossen letztendlich aber nur noch 28 Partien ein. Eine weitere Aufklärung hielten weder Ankläger noch Gericht für eine Verurteilung der Angeklagten für erforderlich. Im Prozess vor der 12. Strafkammer ging es um europäische Freundschafts-, Liga- und Pokalspiele. Aber auch in Kanada wurde eine Partie verschoben.

Mit Ante Sapina und Marijo C. sind die beiden Haupttäter des Fußball-Wettskandals verurteilt worden. Für Sapina war es bereits Urteil Nummer zwei. Der Berliner war nach seiner Verwicklung in den Bestechungsskandal um DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer schon 2005 zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt worden. Kaum hatte er das Gefängnis verlassen, ging es wieder los.

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