In der stylischen Disco «View», hoch über den Dächern der neuen deutschen Fußball-Hauptstadt, feierten die Borussen ihr Husarenstück. Nicht wenige Profis begaben sich nach durchzechter Nacht von dort aus direkt zum Autokorso durch die City. Vor allem der scheidende Nuri Sahin, der für die kommenden sechs Jahre bei Real Madrid unter Vertrag steht, genoss den grandiosen Abschluss seiner Dortmunder Ära in vollen Zügen: «Wenn man mit einem Titel geht, fällt das nicht ganz so schwer. Ich bin froh, Teil dieser großartigen Mannschaft zu sein.» Es spricht für den tadellosen Charakter der Mannschaft, dass sie auch im letzten Spiel ihr Versprechen auf Vollgas-Fußball einhielt. Unbeeindruckt vom 0:1 zu Beginn der 2. Halbzeit und zwei verschossenen Elfmetern von Lucas Barrios und Leonardo Dede drehte sie dank der Treffer von Barrios (68./90.) und des Eigentores von Marco Russ (72.) die Partie noch zu ihren Gunsten. Über die wenig meisterliche Elfmeter-Saisonbilanz - alle fünf Strafstöße wurden verschossen - verlor niemand ein Wort. «Das war ein wunderbarer Abschluss einer überragenden Saison», kommentierte Zorc. Begleitet vom frenetischen Applaus der Zuschauer stemmte Kapitän Roman Weidenfeller nach dem Sieg über den Absteiger am Samstag als erster Borusse um 17.41 Uhr die elf Kilo schwere Trophäe in den Himmel - und wollte sie am liebsten gar nicht mehr hergegeben. «Das ist schier unglaublich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das als Profi noch einmal erlebe», schwärmte der Keeper. Schon vor dem Anpfiff der Partie gab es Emotionen pur: Bei der Verabschiedung der Profis Sahin und Dede flossen Tränen. Tief bewegt traten die beiden Profis zunächst gemeinsam und später einzeln vor die Zuschauer. Darüber hinaus stimmten eine außergewöhnliche Choreographie auf der Südtribüne mit einer überdimensionalen Meisterschale und einer riesigen Abbildung des Meisterteams die Fans auf den Schlussakt ein. Nur gut, dass im ersten Chaos nach dem Abpfiff niemand zu Schaden kam. Anders als vorher befürchtet, stürmten nicht die vom Abstieg gefrusteten Frankfurter Hooligans, sondern mehrere hundert feiernde BVB-Fans Richtung Rasen. Nachdem sie einen Zaun vor der Südtribüne umgerissen hatten, konnten die Chaoten nur von einem großen Aufgebot an Sicherheitskräften aufgehalten werden. Als die Mannschaft mit der Schale zur Ehrenrunde antrat, mussten sich aber auch die Ordner dem Ansturm beugen. Aus Sorge um die eigene Sicherheit traten die BVB-Profis schneller als geplant den Weg zurück in die Kabine an.
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