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Hoyzer sagte vor DFB-Sportgericht aus

Essen/Hamburg (dpa) - 09.02.2005, 23:13 Uhr

Robert Hoyzer bei einer Pressekonferenz in Essen.
Robert Hoyzer bei einer Pressekonferenz in Essen.

Einen Tag nach seinem umstrittenen TV- Auftritt bei Johannes B. Kerner hat der im Wettskandal geständige Schiedsrichter Robert Hoyzer zum zweiten Mal beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) aussagen müssen.

Der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, Rainer Koch, sagte der dpa, er habe Hoyzer in der Essener Anwaltskanzlei von Stephan Holthoff-Pförtner im Beisein des Kontrollausschuss-Vorsitzenden Horst Hilpert vernommen. Dabei habe er Hoyzer zu allen derzeit anhängigen Einspruchsverfahren gegen die Wertung von Spielen verhört, sagte Koch. Über seinen Anwalt habe Hoyzer ihm mitgeteilt, zu weiteren Aussagen bereit zu sein, Insgesamt liegen dem DFB bislang Einsprüche gegen 13 Partien vor. Angaben zum Inhalt der Unterredung mit Hoyzer machte Koch nicht.

Nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» hat der Referee bereits früher als bisher öffentlich zugegeben das Angebot für die Manipulation eines Spiels erhalten. So soll Hoyzer vor der Regionalliga-Partie Chemnitzer SC - Sachsen Leipzig am 29. November 2003 von einem Unbekannten je nach Ausgang des Spiels Geld geboten worden sein. Nach Rücksprache mit seinem Mandanten bestätigte Hoyzers Anwalt Thomas Hermes das Angebot. Hoyzer habe ihm aber gesagt, dass er das Spiel nicht manipuliert habe. Hermes kündigte laut «SZ» an, er wolle diesen für ihn «neuen Sachverhalt» der Berliner Staatsanwaltschaft mitteilen.

Unterdessen hat die Staatliche Lotterieverwaltung in München Äußerungen von DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle in der «Sport-Bild» widersprochen. Nelle hatte gesagt, dass der DFB erste Hinweise auf Manipulationen durch den im Wettskandal Hauptbeschuldigten Hoyzer im vergangenen August aus Rücksicht auf den Wettanbieter Oddset nicht weiter verfolgt habe.

Als Motiv nannte Nelle, dass Oddset nicht als gerade gewonnener nationaler Förderer der WM 2006 verprellt werden sollte. «Oddset hat uns damals auf Nachfrage gebeten, nichts zu unternehmen. Das ist von uns auch versprochen worden.» In der Presseerklärung der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern hieß es nun: «Eine derartige Äußerung hat es von unserer Seite nie gegeben.» Das Unternehmen forderte Nelle auf, die Erklärung umgehend zurückzunehmen oder Ross und Reiter zu nennen.


Mit der Vernehmung von Hoyzer durch das Sportgericht wurde die Grundlage geschaffen, um alle anliegenden Verfahren zügig zu bearbeiten. Das Gremium verhandelt am 11. Februar über den Einspruch des Hamburger SV gegen die Wertung des nachweislich von Hoyzer manipulierten DFB-Pokal-Erstrundenspiels beim SC Paderborn am 21. August 2004. Nach Angaben von Koch wird voraussichtlich ebenfalls bis Freitag über das individuelle Sportstrafverfahren gegen Hoyzer entschieden. Am 15. Februar wird sich das DFB-Sportgericht mit der ebenfalls von Hoyzer verschobenen Zweitliga-Begegnung LR Ahlen gegen Wacker Burghausen vom 22. Oktober 2004 beschäftigen.

Hoyzer hatte über seinen Anwalt erklären lassen, dass er bei der mündlichen Verhandlung am 11. Februar nicht anwesend sein werde. Auf Grund einer Sonderregelung in der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB ist es möglich, in derartigen Fällen Beschuldigte oder Zeugen bereits vor der eigentlichen Verhandlung zu vernehmen. Der 25-jährige Hoyzer hatte in seiner ersten Vernehmung am 21. Januar, zwei Tage nach der Anzeige gegen ihn, noch alle Vorwürfe abgestritten. Erst eine Woche später hatte er vor der Berliner Staatsanwaltschaft zugegeben, in Verbindung mit einer kroatischen Wett-Mafia mindestens vier Fußballspiele manipuliert zu haben.

Der von Hoyzer in der Affäre beschuldigte Bundesliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen soll vom Kontrollausschuss-Vorsitzenden Horst Hilpert angehört werden. Laut Jansen soll die Befragung zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen am 10. Februar erfolgen. Der «Passauer Neuen Presse» sagte der Essener Unparteiische, er wolle «mit reinem Gewissen» Position beziehen. Auch Torhüter Georg Koch vom MSV Duisburg und andere Zeugen werden laut DFB noch in dieser Woche vom Kontrollausschuss gehört werden.

Robert Hoyzer hat nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» schon früher als bisher öffentlich zugegeben das Angebot für eine Spielmanipulation erhalten. Wie das Blatt unter Berufung auf einen Informanten berichtet, soll Hoyzer vor der Regionalliga-Partie Chemnitzer FC - Sachsen Leipzig am 29. November 2003 von einem Unbekannten je nach Ausgang des Spiels Geld geboten worden sein.

Auf Befragen der «SZ» habe sich Hoyzers Anwalt Thomas Hermes (Essen) überrascht gezeigt. Nach Rücksprache mit seinem Mandanten bestätigte er jedoch, dass Hoyzer offenkundig das Angebot bekommen habe, das Spiel zu verpfeifen. 3500 Euro für Sieg von Leipzig, 5000 Euro, wenn er einen Elfmeter geben werde. Bei Remis hätte es nichts gegeben. Hoyzer habe ihm gesagt, er habe das Spiel nicht manipuliert. Obwohl das Spiel 1:1 ausging, seien später auf Hoyzers Konto 500 Euro eingegangen. Hermes kündigte lauf «SZ» an, er wolle diesen für ihn «neuen Sachverhalt» der Berliner Staatsanwaltschaft mitteilen.

In der Sendung «Johannes B. Kerner» hatte Hoyzer beteuert, erst durch ein kroatisches Brüdertrio in Berlin zum Wettbetrug verleitet worden zu sein. Als erstes habe er versucht, am 22. Mai 2004 das Regionalliga-Spiel SC Paderborn - Chemnitzer FC (4:0) zu manipulieren. Das sei aber misslungen, daher habe er nach dem Spiel 8000 Euro wieder zurückzahlen müssen.

Der TV-Auftritt von Hoyzer in der Talkshow stieß auf heftige Kritik. «Ich fand's peinlich - einfach peinlich», sagte Werner Hackmann, Vorsitzender der Deutschen Fußball Liga (DFL) kurz und knapp. «Ich warte nur noch darauf, dass er sich ein Schild umhängt mit der Aufschrift: Bin unschuldig», echauffierte sich DFB-Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell.

Als Gewinner des Abends durfte sich Kerner fühlen. Dessen um Mitternacht ausgestrahltes Kreuzverhör des ehemaligen Schiedsrichters sahen 2,7 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil lag bei 17,4 Prozent. Im Schnitt hat die nach Johannes B. Kerner benannte Talkshow sonst einen Marktanteil von 12 bis 13 Prozent.

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