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Platini appelliert an Politik - Blatter wirbt

Paris (dpa) - 22.03.2011, 13:24 Uhr

Sepp Blatter überraschte beim UEFA-Kongress in Paris mit einer Ankündigung.
Sepp Blatter überraschte beim UEFA-Kongress in Paris mit einer Ankündigung.

Es sollten geräuschlose UEFA-Wahlen für Michel Platini und Theo Zwanziger werden, doch beim Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in Paris rumorte es gewaltig.

Der bevorstehende Machtkampf um den FIFA-Thron zwischen Amtsinhaber Joseph Blatter und seinem katarischen Herausforderer Mohamed bin Hammam beschäftigte die versammelten Spitzenfunktionäre in der französischen Hauptstadt mehr als die Situation ihres Verbandes.

Und so war es passenderweise Gastredner Blatter, der am Dienstag in seinem kurzen Grußwort für den ersten Aufreger unter dem gläsernen Kuppeldach im Grand Palais sorgte. «Sie wissen sehr gut, dass ich für weitere vier Jahre kandidiere, es werden die letzten vier Jahre sein», sagte der 75 Jahre alte Schweizer mit Blick auf den Kongress seines Weltverbandes am 1. Juni in Zürich. Zuletzt war spekuliert worden, dass Blatter Ambitionen über 2015 hinaus haben könnte.

Jetzt aber stehen erst einmal zehn hochspannende Wahlkampf-Wochen bevor - und der listige Walliser nutzte seinen Auftritt für einen Aufruf in eigener Sache. «Ich lade Sie ein, weiter mit der FIFA und dem Präsidenten zusammenzuarbeiten. Wir sollten uns bemühen, gemeinsam dieses Abenteuer weiterzuführen», sagte Blatter. Den Namen seines früheren Wegbegleiters und heutigen Rivalen nannte er nicht.

Mohamed bin Hammam saß entspannt und mild lächelnd in der ersten Reihe des Auditoriums, als Blatter zu seiner Wahlkampfrede anhob. Der Präsident der Asiatischen Fußball-Konföderation hatte vor wenigen Tagen seine Kandidatur angekündigt und lebhafte Diskussionen rund um den Globus ausgelöst. «Es gibt jetzt einen Wettbewerb, und dann sehen wir weiter», sagte bin Hammam während einer 15-minütigen Kaffeepause, die ihm jedoch nicht vergönnt war, weil er permanent umlagert wurde.


Die Sonne schien durch die riesige Glaskuppel, als bin Hammam seine Forderung nach mehr Transparenz wiederholte, ansonsten aber beteuerte, «nicht für Interviews» zum UEFA-Kongress gekommen zu sein. Wie die Vertreter der 53 UEFA-Mitgliedsverbände war auch er von der Blatter'schen Volte überrascht worden.

Auch wenn bin Hammam in der Stadt der Liebe die UEFA-Vertreter intensiv umgarnte, wie Blatter am Abend vor dem Kongress zu einem gemeinsamen Abendessen auf einem Schiff auf der Seine eingeladen war und bei Platini um europäische Stimmen warb, scheint Blatter die Zuneigung der meisten europäischen Verbände gewiss. «Er wird das klar gewinnen», sagte ein hochrangiger UEFA-Funktionär am Dienstag.

Der ehemalige UEFA-Präsident Lennart Johansson, gegen den sich Blatter 1998 in einer Kampfabstimmung durchgesetzt hatte, prophezeite gar «100 Prozent der Stimmen» für seinen ehemaligen Widersacher. Bin Hammam sei «nicht lange genug im Geschäft», sagte der Schwede.

Und Platini? Für ihn könnte der Weg zum FIFA-Präsidentenamt in vier Jahren geebnet sein. Gegen seinen sportpolitischen Ziehvater Blatter würde er nie antreten. Gewinnt der Schweizer aber im Juni gegen bin Hammam und tritt 2015 ab, könnte der logische Nachfolger Platini heißen. Gewinnt wider Erwarten bin Hammam, könnte Platini ihn wieder aus dem Amt verdrängen. Der ehemalige Kapitän der französischen Nationalmannschaft trat in dem Prachtbau nahe der Champs-Élysées vor seiner erwarteten Wiederwahl wie ein Staatsmann auf.

Er räumte Probleme bei den EM-Vorbereitungen in der Ukraine ein, sprach aber von einer erfolgreichen «historischen Premiere». Er regte eine Reform des internationalen Spielkalenders an, verkündete die Zentralvermarktung der Fernsehrechte für Qualifikationspartien, warb für sein Lieblingsprojekt «Financial Fair Play» und appellierte an die Politik, den Fußball zu unterstützen bei den «Übeln» Gewalt in Stadien und Wettbetrug. «Bei diesen beiden großen Herausforderungen müssen wir einräumen, dass wir mehr denn je auf die Hilfe der staatlichen Behörden und der Politik angewiesen sind», sagte Platini.

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