Die Sonne schien durch die riesige Glaskuppel, als bin Hammam seine Forderung nach mehr Transparenz wiederholte, ansonsten aber beteuerte, «nicht für Interviews» zum UEFA-Kongress gekommen zu sein. Wie die Vertreter der 53 UEFA-Mitgliedsverbände war auch er von der Blatter'schen Volte überrascht worden. Auch wenn bin Hammam in der Stadt der Liebe die UEFA-Vertreter intensiv umgarnte, wie Blatter am Abend vor dem Kongress zu einem gemeinsamen Abendessen auf einem Schiff auf der Seine eingeladen war und bei Platini um europäische Stimmen warb, scheint Blatter die Zuneigung der meisten europäischen Verbände gewiss. «Er wird das klar gewinnen», sagte ein hochrangiger UEFA-Funktionär am Dienstag. Der ehemalige UEFA-Präsident Lennart Johansson, gegen den sich Blatter 1998 in einer Kampfabstimmung durchgesetzt hatte, prophezeite gar «100 Prozent der Stimmen» für seinen ehemaligen Widersacher. Bin Hammam sei «nicht lange genug im Geschäft», sagte der Schwede. Und Platini? Für ihn könnte der Weg zum FIFA-Präsidentenamt in vier Jahren geebnet sein. Gegen seinen sportpolitischen Ziehvater Blatter würde er nie antreten. Gewinnt der Schweizer aber im Juni gegen bin Hammam und tritt 2015 ab, könnte der logische Nachfolger Platini heißen. Gewinnt wider Erwarten bin Hammam, könnte Platini ihn wieder aus dem Amt verdrängen. Der ehemalige Kapitän der französischen Nationalmannschaft trat in dem Prachtbau nahe der Champs-Élysées vor seiner erwarteten Wiederwahl wie ein Staatsmann auf. Er räumte Probleme bei den EM-Vorbereitungen in der Ukraine ein, sprach aber von einer erfolgreichen «historischen Premiere». Er regte eine Reform des internationalen Spielkalenders an, verkündete die Zentralvermarktung der Fernsehrechte für Qualifikationspartien, warb für sein Lieblingsprojekt «Financial Fair Play» und appellierte an die Politik, den Fußball zu unterstützen bei den «Übeln» Gewalt in Stadien und Wettbetrug. «Bei diesen beiden großen Herausforderungen müssen wir einräumen, dass wir mehr denn je auf die Hilfe der staatlichen Behörden und der Politik angewiesen sind», sagte Platini.
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