Zweiter Wettprozess: Sapina wieder vor Gericht
Bochum (dpa) - 21.03.2011, 16:57 Uhr
Der Angeklagte Ante Sapina wartet in Bochum auf den Prozessbeginn.
Aus der Gefängniszelle zurück ins Rampenlicht: Nach 16 Monaten U-Haft sitzt Wettbetrüger Ante Sapina im zweiten großen Wettskandal-Prozess wieder auf der Anklagebank. Der 35-jährige Berliner tauschte seine Zelle zum Prozessauftakt gegen einen Platz im Bochumer Landgericht. Sapina und fünf Mitangeklagte sollen 47 Spiele verschoben haben - bis hoch zu Champions League und WM-Qualifikation. Ganze Teams wurden laut Anklage zum Schaulaufen degradiert. Die Fans waren ahnungslos. Sapina war schon in den Bestechungsskandal um DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt und auch verurteilt worden. Als er von einem Wachtmeister in den Gerichtssaal geführt wurde, gab er sich locker. Fast anderthalb Jahre hat Sapina in einer U-Haft-Zelle gesessen. Anzumerken war ihm das nicht. Seinen Brüdern, die extra zum Prozess angereist waren, winkte er durch eine zentimeterdicke Sicherheitsscheibe zu. Mehr ist nicht erlaubt. Verteidiger Stefan Conen betonte jedoch sofort: «Die U-Haft zerrt massiv an ihm. 16 Monate abseits von zu Hause, das ist für einen Familienmenschen wie ihn kein Zuckerschlecken.» Ob Sapina sein umfangreiches Geständnis im Prozess wiederholen wird? Zunächst sollen vertrauliche Gespräche mit den Richtern geführt werden.
WM-Qualifikation, Champions League, Europa League: Die Wettbetrüger hatten offenbar keine Angst vor großen Spielen. Vor der Partie zwischen Liechtenstein und Finnland am 9. September 2009 soll der FIFA-Schiedsrichter mit 30 000 Euro bestochen worden sein. Dafür sollten in der zweiten Halbzeit mindestens zwei Tore fallen. Genau so war es beim 1:1 auch gekommen. Wettgewinn laut Anklage: 221 000 Euro. Kurios verlief die angebliche Manipulation der Champions-League-Partie zwischen VSC Debrecen und AC Florenz am 20. Oktober 2009. Laut Anklage sollte der ungarische Torwart 100 000 Euro erhalten, war aber angeblich schon von anderer Seite bestochen worden. Die Partie beschäftigt auch den Internationalen Sportgerichtshof CAS. |