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Hölzenbein wird 65: Zum Feiern nicht zumute

Frankfurt/Main (dpa) - 09.03.2011, 08:46 Uhr

Wünscht sich zum Geburtstag wohl nichts sehnlicher als Siege für die Frankfurter Eintracht: Ex-Nationalspieler Bernd Hölzenbein.
Wünscht sich zum Geburtstag wohl nichts sehnlicher als Siege für die Frankfurter Eintracht: Ex-Nationalspieler Bernd Hölzenbein.

Ausgerechnet zu seinem 65. Geburtstag am Aschermittwoch sorgt sich der 74er Fußball-Weltmeister Bernd Hölzenbein um seinen Verein Eintracht Frankfurt. Der Club steckt in der Krise und «Holz» leidet schwer mit. Dem Jubilar ist zum Feiern nicht zumute.

Die Visitenkarte beschreibt am besten das Leben nach der weltmeisterlichen Fußball-Karriere: «Berater des Vorstands von Eintracht Frankfurt und Abteilungsleiter Scouting» steht auf dem kleinen Kärtchen von Bernd Hölzenbein.

Ob der Mann im Hintergrund der einstigen «Diva vom Main» auch an seinem Geburtstag dem Doppeljob nachgehen wird, weiß «Holz» noch nicht. Zu einem großen Fest ist ihm jedenfalls nicht zumute: Sein Club ist nach einer selbst für den einstigen Bundesliga-Torjäger «beispiellos negativen Serie der Eintracht» neuerdings wieder in eine Krise geraten.

«Nein. Die Situation ist nicht zum Feiern. Ich möchte es auch nicht. Es passt nicht in die Zeit und ich will den 65. auch nicht groß an die Glocke hängen», betonte der Weltmeister von 1974 in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa und glaubt einen guten Grund zu haben: «Ich mache mir berechtigte Sorgen. Es kann und darf nicht sein. Acht Spiele ohne Sieg und Tor. Das habe ich noch nie erlebt. Gut, dass die Vorrunde die beste seit 1984 war.»

Erst am Mittwochabend wird der immer noch umtriebige Talent-Späher im engsten Familienkreis mit Ehefrau Jutta, Tochter Sabrina und Sohn Sascha zusammensitzen. Beim «Wagner», in einer der bekanntesten Sachsenhäuser Ebbelwoi-Kneipen, will er mit dem Frankfurter Nationalgetränk auf den Ehrentag anstoßen.


Wie in einer langen Ehe hat der Filigrantechniker am Ball auch bei seiner Liaison mit der Eintracht alle Höhen und Tiefen durchlebt und ist dabei seinem bescheidenen Naturell treugeblieben. Die Zeit als Vizepräsident und der Wechsel zum bezahlten Manager von Eintracht Frankfurt brachten ihm nicht viel Ehre. Verstrickungen im Steuerprozess um Stürmer Anthony Yeboah haben einen Schatten geworfen. Aber das ist Geschichte, die in den Akten steht. Beim Golfspielen hat er beachtliches Talent entwickelt und das Handicap niedrig gehalten.

Deutscher Meister ist der Mann aus Runkel bei Limburg wie sein einst kongenialer Sturmpartner Jürgen Grabowski nie geworden. Dafür gewann er dreimal den DFB-Pokal (1974, 1975, 1981) und 1980 den UEFA-Cup im Endspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Als 27 Jahre alter DFB-Spätstarter brachte Hölzenbein es noch auf 40 Länderspiele.

Aber nach der «Schmach von Cordoba» beim 2:3-WM-Aus gegen Österreich in Argentinien 1978 nahm er seinen Hut in der DFB-Auswahl - wie der damalige Bundestrainer Helmut Schön seine Mütze. Insgesamt 420 Bundesligaspiele bis 1981 mit der noch gültigen clubinternen Rekordzahl von 160 Toren brachten ihm dank seiner intuitiven Begabung mit dem Ball auch das Markenzeichen «Schlitzohr» ein.

Vergessen ist dabei nicht sein «Vor-Fall» beim WM-Finale 1974 gegen die Niederlande, mit dem Hölzenbein sich - unfreiwillig oder nicht - das Image eines «Schwalbenkönigs» zulegte. Irgendwie war der Hesse, der 1967 vom Dorfclub TuS Dehrn zur Eintracht in die große Fußballwelt gewechselt war, im Finale zu Fall gekommen. Paul Breitner verwandelte damals beim 2:1-Sieg den Elfmeter zum wichtigen 1:1.

Unvergessen ist aber auch sein Zweitrunden-Treffer am 7. November 1979, mit dem Hölzenbein im UEFA-Cup-Rückspiel gegen Dinamo Bukarest der Eintracht im Waldstadion das Tor zum späteren UEFA-Cup-Sieg öffnete. Nach einem Stolperer vor dem rumänischen Tor köpfte der Angreifer in der 3. Minute der Nachspielzeit einen vom Torwart abgewehrten Ball geistesgegenwärtig im Sitzen zum 2:0 ein. Damit war die Verlängerung erreicht und der Einzug mit dem späteren 3:0 ins Finale erst möglich geworden. Die Bilder gingen um die Welt.

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