Wie in einer langen Ehe hat der Filigrantechniker am Ball auch bei seiner Liaison mit der Eintracht alle Höhen und Tiefen durchlebt und ist dabei seinem bescheidenen Naturell treugeblieben. Die Zeit als Vizepräsident und der Wechsel zum bezahlten Manager von Eintracht Frankfurt brachten ihm nicht viel Ehre. Verstrickungen im Steuerprozess um Stürmer Anthony Yeboah haben einen Schatten geworfen. Aber das ist Geschichte, die in den Akten steht. Beim Golfspielen hat er beachtliches Talent entwickelt und das Handicap niedrig gehalten. Deutscher Meister ist der Mann aus Runkel bei Limburg wie sein einst kongenialer Sturmpartner Jürgen Grabowski nie geworden. Dafür gewann er dreimal den DFB-Pokal (1974, 1975, 1981) und 1980 den UEFA-Cup im Endspiel gegen Borussia Mönchengladbach. Als 27 Jahre alter DFB-Spätstarter brachte Hölzenbein es noch auf 40 Länderspiele. Aber nach der «Schmach von Cordoba» beim 2:3-WM-Aus gegen Österreich in Argentinien 1978 nahm er seinen Hut in der DFB-Auswahl - wie der damalige Bundestrainer Helmut Schön seine Mütze. Insgesamt 420 Bundesligaspiele bis 1981 mit der noch gültigen clubinternen Rekordzahl von 160 Toren brachten ihm dank seiner intuitiven Begabung mit dem Ball auch das Markenzeichen «Schlitzohr» ein. Vergessen ist dabei nicht sein «Vor-Fall» beim WM-Finale 1974 gegen die Niederlande, mit dem Hölzenbein sich - unfreiwillig oder nicht - das Image eines «Schwalbenkönigs» zulegte. Irgendwie war der Hesse, der 1967 vom Dorfclub TuS Dehrn zur Eintracht in die große Fußballwelt gewechselt war, im Finale zu Fall gekommen. Paul Breitner verwandelte damals beim 2:1-Sieg den Elfmeter zum wichtigen 1:1. Unvergessen ist aber auch sein Zweitrunden-Treffer am 7. November 1979, mit dem Hölzenbein im UEFA-Cup-Rückspiel gegen Dinamo Bukarest der Eintracht im Waldstadion das Tor zum späteren UEFA-Cup-Sieg öffnete. Nach einem Stolperer vor dem rumänischen Tor köpfte der Angreifer in der 3. Minute der Nachspielzeit einen vom Torwart abgewehrten Ball geistesgegenwärtig im Sitzen zum 2:0 ein. Damit war die Verlängerung erreicht und der Einzug mit dem späteren 3:0 ins Finale erst möglich geworden. Die Bilder gingen um die Welt.
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