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Jansen will öffentlich seine Unschuld beweisen

Hamburg (dpa) - 03.02.2005, 20:41 Uhr

Jürgen Jansen am 27. Januar in Frankfurt/Main.
Jürgen Jansen am 27. Januar in Frankfurt/Main.

Im Kampf «Einer gegen alle» tritt Jürgen Jansen die Flucht nach vorn an. Ausgerechnet mit dem im Fußball verpönten Videobeweis will der im Bundesliga-Manipulationsskandal belastete Schiedsrichter seine Unschuld glaubhaft machen.

Die für den 4. Februar anberaumte Pressekonferenz im Passauer Medienzentrum wird damit auch zu einem spektakulären «Fernsehgericht», bei dem Jansens seinen bisher untadeliger Ruf wieder herstellen will. «Für Herrn Jansen ist das eine irrsinnige Belastung. Er ist in einigen Medien schon in der Luft zerrissen worden», sagte sein Anwalt Stephan Reiffen der dpa. Er habe seinem Mandanten zum Gang vor die Öffentlichkeit geraten. «Danach muss aber Schluss sein - wir vermarkten ihn nicht.»

DFB-Präsident Theo Zwanziger zeigte Verständnis für den attackierten Referee. «Wenn er unschuldig ist, kann ich ihn gut verstehen.» Er verwies zugleich aber auch auf die Schutzfunktion seines Verbandes, deshalb können «wir derzeit keinen Schiedsrichter in den Spielbetrieb einbinden, der unter Verdacht steht». Jansen soll nach Aussagen seines geständigen Berliner Kollegen Robert Hoyzer zwei Spiele manipuliert haben. Im Blickpunkt steht die von Jansen geleitete Bundesligapartie zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SC Freiburg (3:0), gegen dessen Wertung die Breisgauer Einspruch eingelegt haben.

Der 44 Jahre alte Jansen, ein gelernter Versicherungsfachwirt aus Essen, ist einer der Hauptbelasteten in der Affäre - und zugleich die Schlüsselfigur. Denn: Können die Berliner Ankläger dem Unparteiischen wirklich eine Schuld nachweisen, wäre der zweite Bundesliga-Skandal nach 1971 erwiesen. Der geständige Hoyzer, durch den die Affäre vor knapp zwei Wochen ins Rollen kam, hat «nur» Spiele im Pokal sowie in der 2. Liga und der Regionalliga gepfiffen.

Der in die Enge getriebene Jansen hat in einer Eidesstattlichen Erklärung nicht nur seine Unschuld beteuert («Ich will tot umfallen, wenn es anders ist»), sondern auch schweres Geschütz gegen die Berliner Staatsanwaltschaft und sogar gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aufgefahren. «Ich bin hier das Bauernopfer!», betonte der Profi-Schiedsrichter in einem Interview mit der Zeitung «Passauer Neue Presse». «Beim DFB zieht man sich zurück ins Mauseloch und sieht zu, wie jemand geschlachtet wird.»


Der Staatsanwaltschaft kreidete er Übereifer und unangemessenes Vorgehen an, dem DFB («Da wird abgeblockt») mangelnde Informationsbereitschaft. Jansen: «Es gibt keinen hinreichenden Tatverdacht für so eine Durchsuchung.» Auch zivil- oder strafrechtliche Schritte gegen Trainer Klaus Toppmöller will Jansens Anwalt noch sorgfältig prüfen. «Der ist aber inzwischen ganz schön zurückgerudert», meinte Reiffen. Toppmöller hatte behauptet, dass sein damaliger Club Bayer 04 Leverkusen am 16. Februar 2002 durch Jansens umstrittene Entscheidung auf Handelfmeter gegen Bayer beim 2:2 im Punktspiel beim FC St. Pauli die Meisterschaft verloren habe.

«Ich hab' sicherlich ein breites Kreuz, aber das ist mein schwerstes Spiel. Hier geht es nicht mehr nur um Fußball, sondern auch darum, einen Menschen fertig zu machen», erklärte Jansen in dem Zeitungs-Interview weiter. Jansen galt stets als Top-Schiedsrichter mit tadellosem Ruf; zwar kam der Essener nicht auf die Liste des Weltverbandes FIFA, doch mit 142 Bundesliga-Einsätzen seit 1993 ist er nach Einsätzen die Nummer fünf auf der aktuellen DFB-Liste.

«Ich bin mit Leib und Seele Schiedsrichter, ich habe mit 15 Jahren meine Schiedsrichter-Prüfung gemacht und bin jetzt 44. Ich habe in allen Klassen gepfiffen und meinen Buckel hingehalten», sagte Jansen, der im vorigen Sommer seinen Hauptberuf in einem Versicherungskonzern aufgab, um sich auf die Schiedsrichterei zu konzentrieren. In dieser Saison hat er acht Erst- und drei Zweitliga- sowie zwei DFB- Pokalspiele geleitet und für diese Einsätze knapp 37 000 Euro verdient. Drei Mal stand er zudem als vierter Mann am Spielfeldrand.

Über die Aussagen des Geschäftsführenden DFB-Präsidenten Theo Zwanziger in Frankfurt hat sich Jansen zufrieden geäußert. «Ich hoffe, dass damit die Tür für eine künftige Zusammenarbeit offen steht», sagte Jansen in einem Gespräch mit der «Passauer Neuen Presse». Der Referee aus Essen war von seinem Kollegen Robert Hoyzer der Manipulation von zwei Spielen beschuldigt worden.

Über die angeblich manipulierte Zweitliga-Begegnung Dynamo Dresden - SpVgg Unterhaching sagte Jansen, er verstehe die Proteste nicht, überlasse es aber dem Sachverstand jedes Einzelnen. «Ich kann nur sagen: der offizielle DFB-Beobachter Peter Gabor hat mir eine fehlerfreie und exzellente Spielleitung bescheinigt. Im Ergebnis bekam ich eine der höchsten Beobachtungsnoten in meiner Laufbahn», sagte Jansen der Zeitung.

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