Anhängig ist in der Auseinandersetzung zwischen Amerell und Kempter noch ein Einspruch des früheren DFB-Funktionärs vor dem Landgericht Köln: Kempter hatte dort eine Einstweilige Verfügung gegen Amerell erwirkt. Dem verheirateten Familienvater und Hotelier aus Augsburg wurde unter Androhung eines Ordnungsgeldes in Höhe von jeweils 250 000 Euro untersagt, private E- Mails oder SMS von Kempter an ihn zu verbreiten. Mit intimen Details aus dem persönlichen Schriftverkehr zwischen den beiden war Amerell damals an die Öffentlichkeit gegangen, um sich zu wehren. Der 36 Jahre jüngere Bankkaufmann Kempter aus Sauldorf hatte dem damaligen DFB-Schiedsrichter-Chef Volker Roth gemeldet, er sei von Amerell sexuell belästigt worden. Der einstige Schiedsrichter-Funktionär bestreitet dies. Er habe zwar «einer menschlichen Schwäche» nachgegeben, sagte Amerell, die intimen Kontakte seien jedoch im Einvernehmen zustande gekommen. Kempter wiederum betonte, er sei heterosexuell und habe den Avancen des mächtigen Schiedsrichter-Beobachters nicht widerstanden, um seine Karriere nicht zu gefährden. Der DFB hat den Fall offiziell bereits im Februar vergangenen Jahres für abgeschlossen erklärt, als Amerell von seinem Amt als Schiedsrichter-Sprecher zurücktrat. Zum bevorstehenden Prozess will sich der Verband nicht äußern. «Ich habe stets darauf hingewiesen, dass das wirkliche Verhältnis Kempters zu Amerell und Amerells zu Kempter von der Staatsanwaltschaft oder durch Zivilgerichte geklärt werden muss», hatte Zwanziger in einer früheren Stellungnahme betont. Über die sportliche Zukunft Kempters werden der DFB und die neue Schiedsrichter-Kommission mit Herbert Fandel an der Spitze entscheiden, wenn alle Prozesse abgeschlossen sind. Kempter galt einst als das Toptalent der Unparteiischen im Lande: Er leitete mit 23 Jahren bereits Bundesliga-Spiele und war mit knapp 27 jüngster FIFA- Referee der Fußballgeschichte. Der DFB ließ sein früheren Vorzeige-Schiedsrichter nach einer Auszeit das Drittliga-Spiel SV Sandhausen gegen Holstein Kiel im vergangenen April und noch einmal in der Oberliga pfeifen. Auf die ganz große Bühne durfte der ehrgeizige Referee nicht mehr. «Nach unserem Eindruck geht es Herrn Amerell vor allem darum, einen öffentlichen Auftritt zu haben», sagte Kempters Anwalt Schickhardt zum Prozess in Hechingen. «Wir halten uns mit öffentlichen Auftritten zurück und werden ganz in Ruhe unsere juristische Arbeit machen, um die Sache und die verschiedenen Prozesse für Herrn Kempter zu Ende zu bringen.»
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