20 Jahre: Strukturen top, doch zu wenig Top-Clubs
Leipzig (dpa) - 10.11.2010, 10:31 Uhr
Der frühere Präsident des DDR-Verbandes und jetzige DFB-Ehrenpräsident Hans-Georg Moldenhauer.
20 Jahre nach der Fußball-Einheit ist die Quote der Nationalspieler aus dem Osten rapide gesunken. Dabei hatte Franz Beckenbauer unmittelbar nach dem WM-Titel 1990 getönt, dass man mit dem Spielerpotenzial aus der ehemaligen DDR auf Dauer unschlagbar sein werde. Zu dieser Zeit wurde Toni Kroos gerade in Greifswald geboren. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern München ist heute abgesehen vom verletzten DFB-Kapitän Michael Ballack der einzig verbliebene Akteur aus den neuen Bundesländern. 1993 unter Bundestrainer Berti Vogts waren noch elf Ost-Spieler im 20-köpfigen Aufgebot des Deutschen Fußball-Bundes. Wurden gravierende Fehler bei der Zusammenführung der beiden Verbände gemacht? «Es war eine Erfolgsgeschichte», bilanzierte DFB-Ehrenpräsident und der frühere Präsident des DDR-Verbandes Hans-Georg Moldenhauer. DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach betonte: «Sportpolitisch war es das Größte, was ich erleben durfte.» Die Realität sieht derzeit aber anders aus: Auf Vereinsbasis findet sich kein einziger Club aus den neuen Bundesländern in der ersten Liga. «Fußball ist nicht immer darauf zu reduzieren, wo ein Club steht oder spielt. Wir haben 92 Stützpunkte in den sechs neuen Bundesländern inklusive Berlin, davon 15 sportbetonte Schulen und sogar 9 DFB- Eliteschulen, also überproportional zu den West-Vereinen», hält Moldenhauer dagegen.
DFB-Sportdirektor Matthias Sammer sieht trotz der zurückgegangenen Quote in der DFB-Elf die Entwicklung auch bei den Vereinen positiv. «Mit Union Berlin, Aue und Cottbus haben wir drei Mannschaften, die stabil und konstant spielen. In Zukunft werden die Vereine vermehrt auf die Nachwuchsarbeit setzen, dort eine bessere Breite erreichen und auch mehr Identifikation erlangen», sagte der frühere DDR-Nationalspieler, der am 19. Dezember 1990 in Stuttgart gegen die Schweiz (4:0) erstmals das Trikot mit dem Bundesadler tragen durfte. Sammer warnte zugleich davor, «nicht immer alles in Grund und Boden zu reden. Dass Vereine wie Hansa Rostock und SG Dynamo Dresden in der dritten Liga spielen, hat 20 Jahre danach nichts mehr mit der Wiedervereinigung zu tun», betonte Sammer. Vielmehr seien es oft Misswirtschaft und Fehlentscheidungen von Präsidenten wie Hans-Jürgen Otto in Dresden gewesen, die dem Verein eine bessere sportliche Zukunft auf Jahre verbaut hätten. Daher gab Moldenhauer zu, dass man im Vereins-Fußball im Moment auf dem schlechtesten Stand seit der Wiedervereinigung sei. «Mein Traum wäre eine Art Pyramide, mit zwei bis drei Vereinen in der Bundesliga, drei bis vier Clubs in der zweiten Liga und sechs Vereinen in der dritten Liga. Das sind die Leuchttürme. Daran orientieren sich die Menschen, gerade die Jugend», umreißt Moldenhauer seine Visionen.
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