Kaiserslautern (dpa) Männer seines Formats sind eine seltene Spezies. Die Fußball-Ikone Fritz Walter, die am 31. Oktober ihren 90. Geburtstag gefeiert hätte, war ein zeitloses Phänomen und Idol gleich mehrerer Generationen von Helmut Kohl bis Kurt Beck, von Uwe Seeler bis Miroslav Klose.
«Er war mein großes Vorbild in allen Lebensbereichen», gestand einst «Uns Uwe» Seeler. Für Box-Legende Max Schmeling, dessen Beliebtheit Fritz Walter gleichkam, war der «Große Fritz» ein «Sportler von Weltformat, ausgestattet mit Eigenschaften wie Anstand und Fairness». Für einen 10-jährigen Knirps war er schlichtweg der «Erfinder von Kaiserslautern» seines Geburtsortes.
Das pfälzische Provinzstädtchen, das der junge Fritz Walter mit seinen unnachahmlichen Fußballkünsten in den 50er Jahren auf die Landkarte des großen Sports gezaubert hatte, war die Keimzelle einer traumhaften Karriere. Vom Anfang (1927) bis Ende (1959) trug er ausschließlich das Trikot seines 1. FC Kaiserslautern, dem er Zeit seines bewegten Lebens die Treue hielt. In 384 Spielen für den FCK erzielte der begnadete Techniker mit Tordrang 327 Treffer. Fünfmal führte er die nach ihm und seinem noch lebenden Bruder Ottmar benannte «Walter-Elf» in ein deutsches Meisterschaftsendspiel. Zwei Mal (1951/2:1 gegen Preußen Münster) und 1953/4:1 gegen den VfB Stuttgart) holte Lautern den Titel.
Begehrlichkeiten aus dem Ausland begegnete der heimatverbundene Fritz Walter abschlägig im pfälzischen Dialekt mit einem schlichten «dehäm is dehäm» daheim ist daheim. Durch lukrative Offerten aus Spanien (Atletico Madrid), Italien (Inter Mailand) oder Frankreich (AS Nancy) hätte er leicht zum ersten deutschen Fußball-Millionär werden können. Doch Geld war für den hochsensiblen und mit den Selbstzweifeln eines Künstlers lebenden Walter nie die Triebfeder seines leidenschaftlichen wie genialen Fußballspiels. Die Sehnsucht «Italia» holte er sich lieber mit seiner Frau gleichen Namens ins Haus. Dorthin flatterten auch die Angebote, noch bevor seine Laufbahn ihren absoluten Höhepunkt erreichte.
Es war das «Wunder von Bern». Mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft durch den 3:2-Endspielsieg über Ungarn schrieb der Kapitän mit seinen «Helden von Bern» am 4. Juli 1954 das wohl wichtigste Kapitel deutscher Sportgeschichte. Das nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg darniederliegende Selbstwertgefühl einer ganzen Nation erhielt durch den gänzlich unerwarteten Triumph einen ungeheuren moralischen Schub. «Wir sind wieder wer» hieß es allenthalben. Die jahrzehntelang nachwirkende Heldenverehrung war Fritz Walters Sache sicherlich nicht. Er war ein stiller Anti-Star ohne Allüren und Skandale, eine Frohnatur voller Aufrichtigkeit.