Rostock (dpa) - 03.09.2010, 09:35 Uhr
Links der Seemann, rechts die Seefrau und vorn der Kapitän - alle mit den Vereinsfarben blau-weiß auf den Wangen: Hansa Rostock kämpft mit vielen Mitteln um sein verloren gegangenes positives Image.
Von Plakatwänden zwischen Boltenhagen und Usedom kommt momentan die Botschaft herüber «Herzblut gewinnt. Gemeinsam ans Ziel.» Der Fußball-Verein, der einst für Aufbruch und sportlichen Erfolg stand, will das Bild der Zerrissenheit, des Absturzes und des Sammelbeckens für Chaoten und Krawalle hinter sich lassen. «Wir wollen endlich wieder alle an einem Strang ziehen und wieder ein Verein werden, der von den Fans und der gesamten Bevölkerung im Land angenommen wird», sagt Marketingchef Peter Zeggel.
Die Aktion, die mittlerweile auf der zweiten Etappe ist, hat ein erstes Ziel erreicht. Ein Kleinkind mit den Hansa-Farben auf den Wangen hat in einer ersten Plakataktion die Gemüter bewegt. Nicht alle positiv, aber immerhin eine Diskussion ausgelöst. Ganz im Sinne der Verursacher. «Wir wollen mit der Kampagne die enge Bindung und die Verantwortung der Region und des Vereins füreinander in Szene setzen», sagte Chris Götz, Geschäftsführer der verantwortlichen Rostocker Werbeagentur. Das Motto solle auch als Aufruf zum Mitmachen und Gestalten verstanden werden.
Das Bemühen um einen Neuanfang auf allen Ebenen ist offenbar angekommen. Auch bei der übergroßen Mehrheit der Fans, die nicht nur mit der verbalen Unterstützung ihrer Mannschaft Zeichen setzten. Vor der Drittliga-Partie gegen die TuS Koblenz verwehrten im August Hansa-Fans dem NPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern Udo Pastörs, und rund 20 weiteren Personen den Zutritt zur Südtribüne der DKB-Arena. «Ein ganz klares Zeichen unserer Fans, sich von der NPD nicht instrumentalisieren und für ihre politischen Ziele missbrauchen zu lassen», sagte Hansas Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann anerkennend.
Der neue Hansa-Chef, erst seit wenigen Monaten im Amt, weiß natürlich, das der Imagewandel Zeit braucht. Brücken, die in den vergangenen Jahren eingerissen worden sind, können nicht von heute auf morgen wieder aufgebaut werden. Aber: «Es beginnt mit Dialog», sagt Hofmann. Und hat positive Signale ausgemacht. Die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, ist unverkennbar.