Rostock (dpa) - 23.07.2010, 10:33 Uhr
Nur das Stadion steht noch an der gleichen Stelle. Ansonsten ist bei Hansa Rostock faktisch nichts mehr wie es lange war. Nach dem erstmaligen Absturz in die dritte Liga in der 45- jährigen Vereinsgeschichte hat beim letzten DDR-Fußball-Meister eine neue Zeitrechnung begonnen.
Die verantwortet seit Mai der neue Vorstandsvorsitzende Bernd Hofmann. «Ich bin kein Heilsbringer. Aber ich werde die Ärmel hochkrempeln und mit Hilfe von Mitgliedern, Politik und Fans versuchen, die Kogge wieder aufzurichten», hatte der 41 Jahre alte Sportmanager bei seinem Amtsantritt gesagt.
Inzwischen hat Hofmann mit der völlig neu formierten Führungscrew, der im Aufsichtsrat in Sigrid Keler sogar die ehemalige Finanzministerin von Mecklenburg-Vorpommern angehört, einiges bewegt. Als erster Kraftakt wurde die Lizenzierung geschultert. Zwar nur mit Auflagen und Bedingungen sowie einer Landesbürgschaft für 80 Prozent eines 2,9 Millionen Euro-Kredits - aber immerhin. «Der Anfang für eine erfolgreiche Zukunft ist gemacht», meinte Hofmann nach dem ersten Kraftakt erleichtert.
Hansas Mitarbeiter konnten diese Zuversicht nicht teilen. Alle mussten nach dem mit gravierenden wirtschaftlichen Verlusten einhergehenden Abstieg finanzielle Abstriche machen. Für 28 der einstmals 88 Mitarbeiter hatte der größte sportliche Gau in Hansas Geschichte sogar den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge. Das wollte niemand. «Dennoch waren diese Maßnahmen alternativlos, um den Verein zukunftsfähig aufzustellen», sagte Aufsichtsratschef Hans-Ulrich Gienke.
Auch im sportlichen Bereich wurde Tabula rasa gemacht. 20 Spieler gingen, zwölf neue kamen - darunter einige, die im «Paket» verpflichtet wurden. «Wenn wir mit jedem einzeln gesprochen hätten, wäre es allein schon aus logistischen Gründen schwierig geworden», umschrieb der neue Trainer Peter Vollmann die komplizierte Lage. Vom einstigen engeren Zweitliga-Kader verblieben lediglich Torhüter Jörg Hahnel, Angreifer Marcel Schied und Mittelfeldspieler Kevin Pannewitz, aber auch die waren im vergangenen «Seuchenjahr» keine erste Wahl.