Osnabrück (dpa) - 09.05.2010, 14:28 Uhr
«Wir haben eben eine Stehaufmännchen-Qualität», sagt Dirk Rasch. Er ist seit 1997 Präsident des VfL Osnabrück, der durch ein 1:0 in Burghausen zum vierten Mal innerhalb eines Jahrzehnts in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen ist.
Doch diesmal wollen die Niedersachsen länger in der Klasse bleiben, zu deren Inventar sie in den 70er und 80er Jahren gehörten. Das waren die Zeiten, als mit Hartwig Piepenbrock ein mächtiger Großunternehmer den Verein wie die Fußball-Filiale seiner Firmengruppe führte. Der Patriarch bezahlte und bestimmte, die Identifikation des Publikums mit dem Club nahm ab. Als Piepenbrock 1996 frustriert die Brocken hinschmiss, steckte der VfL im Mittelmaß der Regionalliga Nord und schien am Ende.
Ein kolossaler Irrtum. Der Verein regenerierte sich von den Folgen der Alleinherrschaft, mobilisierte systematisch mittelständische Sponsoren und eroberte das Publikum mit sportlichen Dramen, wie es in dieser Häufigkeit selten ist im deutschen Profifußball: Seit 1999 entschied sich das Schicksal des VfL mit Ausnahme von nur drei Jahren immer erst am letzten Spieltag.
Die emotionale Berg- und Talfahrt hat die Fans wie nie zuvor an den Verein gebunden. Der Zuschauerschnitt liegt bei knapp 11 000, zum Auswärtsspiel vor drei Wochen nach Dortmund begleiteten 8000 Fans den VfL in die WM-Arena. Den 750-Kilometer-Trip in die bayerisch- österreichische Grenzstadt Burghausen machten am Wochenende über 2500 Lila-Weiße mit; die meisten davon in einer 24-stündigen Marathon-Tour in einem von 22 Bussen, die der Verein subventionierte.
Vater des Erfolges ist ein markanter Trainerkopf mit Bundesliga-Vergangenheit: Karsten Baumann bestritt beim 1. FC Köln und bei Borussia Dortmund 261 Erstliga-Spiele. Der gebürtige Oldenburger kam im Sommer 2009 nach dem Abstieg des VfL aus der 2. Bundesliga nach Osnabrück, wo er unter zeitlichem und öffentlichem Druck mit Manager Lothar Gans eine völlig neue Mannschaft aufbaute.