Aue (dpa) - 04.05.2010, 13:14 Uhr
Zu den Heimspielen weht es weiß-lila von den Fahnenmasten vor dem Rathaus. An den Tagen dazwischen lässt Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl die Fahnen aber verschwinden.
Sie seien so beliebt, dass sie auch schon mal geklaut werden. Aber zur Aufstiegsfeier des Fußball-Drittligisten FC Erzgebirge Aue AM 9. Mai «wird alles geflaggt», kündigte der CDU-Politiker an. Auf dem von den Masten eingerahmten Rathausbalkon wird dann die Mannschaft stehen. Wie 2003, als Aue erstmals in die 2. Bundesliga einzog.
Die Straßenkreuzung davor wird wieder voller Menschen sein. Die gesamte Region steht hinter dem Traditionsclub. Die unerwartete Rückkehr von Erzgebirge in die zweithöchste deutsche Spielklasse nach dem Abstieg 2008 nennt Kohl nun «das zweite Wunder». «Einen besseren Botschafter für das Erzgebirge können Sie nicht bekommen», sagt IHK-Geschäftsführerin Almut Beck. Aue sei wieder deutschlandweit in aller Munde. Solide geführt, von einem Sponsoren-Pool aus 200 Firmen der Region unterstützt: «Das Fundament stimmt.» Und irgendwann schlage sich das vielleicht auch in höheren Gästezahlen nieder, glaubt Beck.
Oberbürgermeister Kohl macht sich derweil keine Illusionen über einen lokalen Wirtschafts- oder Tourismusboom. Solche Effekte seien «nicht direkt messbar». Was er aber von Unternehmern aus der Stadt wisse: Westdeutsche Geschäftspartner können mit Aue etwas anfangen. «Man hat ein Einstiegsthema. Fußball ist kein Investitionshemmnis.»
Trotz des Aufstiegs bleibt ein neues Stadion zunächst Vision, jetzt werden im alten erst einmal weitere Tribünenblöcke überdacht und zwar mit Konjunkturpaket-Mitteln. Die bisherige Heimstatt mit lila Laufbahn gehört dem Landkreis und fasst etwa 16 000 Besucher. Das reicht fast an die gegenwärtige Einwohnerzahl von Aue (17 500) heran. «Wenn sich Aue in der 2. Liga festsetzt, kann man über ein neues Stadion reden. Aber ohne Fördermittel wird das nicht gehen», sagt Kohl. Die Stadt unterstütze den Verein schon jetzt finanziell mit etwa 80 000 Euro jährlich, hinzu kamen zuletzt auch zusätzliche Ausgaben. Kohl sagt: «Was gut für den Verein ist, ist auch gut für Aue.»