Leipzig (dpa) - 20.10.2008, 14:15 Uhr
Nach den Zuschauer-Ausschreitungen hat bei den Verantwortlichen der Fußball-Drittligisten FC Carl Zeiss Jena und Dynamo Dresden das große Zittern begonnen.
Beide Clubs erwarten drastische Strafen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB), nachdem Randale beim Duell der beiden ostdeutschen Traditionsvereine (0:0) zu einer zehnminütigen Spielunterbrechung führte. Während Dresden als Wiederholungstäter gilt, sind die Jenaer zumindest beim DFB in dieser Hinsicht noch ein unbeschriebenes Blatt.
Am Montagmittag wollte man in der Verbandszentrale in Frankfurt/Main noch nichts zu den möglichen Strafmaßnahmen sagen. Die Ermittlungen durch den Kontrollausschuss laufen noch. Beide Vereine wurden zu schriftlichen Stellungnahmen aufgefordert. Der DFB- Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn übergab einen detaillierten Bericht an den DFB-Kontrollausschuss-Vorsitzenden Anton Nachreiner.
Bereits auf dem Weg zum Stadion hatte es offensichtlich von Dresdnern angezettelte Pöbeleien und Provokationen gegeben. Nach einem Elfmeter für Jena in der 86. Minute, den der Dresdner Torhüter Axel Keller hielt, eskalierte die Situation. Im Dresdner Block wurden wie schon zu Beginn des Spiels Rauchbomben und Böller geworfen. Zudem verbrannten Dresdner Chaoten erbeutete Schals und Fahnen des Gastgeber-Vereins. Anhänger, die im Jenaer Block über den Zaun stiegen, wurden von Polizei und Sicherheitsdienst gestoppt. Jenas Trainer René van Eck und Dynamos Sportdirektor Ralf Minge wirkten im direkten Kontakt deeskalierend auf die aufgebrachten Fan-Gruppen ein und verhinderten dadurch einen Spielabbruch.
Jenas Pressesprecher Andreas Trautmann verwies noch einmal auf die umfangreichen Maßnahmen im Vorfeld der als Sicherheitsspiel ausgewiesenen Partie. «Es waren 200 private Ordner im Stadion, viel mehr als sonst. Wir hatten mit ihnen, der Polizei, Dresdner Verantwortlichen und Beauftragten der Stadt zuvor alles besprochen. So war der Vorverkauf anders geregelt, es wurden Fangnetze und Sicherheitsblenden aufgebaut», sagte Trautmann, der allerdings auf eine spezielle Jenaer Problematik verwies: die Fantrennung.