Osnabrück (dpa) - 20.07.2012, 12:50 Uhr
Viermal hoch und viermal runter: Der VfL Osnabrück war seit 2000 der Fahrstuhl-Club, der zwischen der 2. und 3. Fußball-Liga pendelte. In der vergangenen Saison versagte dieser vermeintliche Mechanismus jedoch, jetzt spricht beim VfL niemand mehr vom Aufstieg.
Mit Kult-Trainer Claus-Dieter Wollitz steht Niedersachsens einziger Drittligist vor einem Neuanfang, nicht nur auf dem Rasen. «Die Mannschaft muss in jedem Spiel alles raushauen. Wir wollen mit attraktivem, leidenschaftlichen Fußball das Publikum erobern», sagte der 47 Jahre alte Coach, der sich partout nicht auf ein Saisonziel festlegen lassen will. Für den Neuaufbau ist der Anfang 2012 aus Cottbus zurückgekehrte Fußball-Lehrer auch als Sportdirektor zuständig. Der langjährige Manager Lothar Gans ist ins zweite Glied gerückt.
Die Mannschaft hat bisher einen guten Eindruck hinterlassen, bezwang zuletzt den Zweitligisten VfL Bochum mit 3:1 und hat dabei ein fast völlig neues Gesicht. Bis auf Torwart Manuel Riemann, Abwehrchef Martin Hudec und Mittelfeldmann Nils Fischer werden zur Saisonpremiere am Samstag in Osnabrück gegen die U23 von Borussia Dortmund nur Zugänge in der Startelf stehen.
Wie sehr die Fans auf den in Osnabrück schon als Spieler beliebten Wollitz und seine Strategie bauen, belegt der Dauerkartenverkauf: 4300 Saisontickets wurden abgesetzt, das sind nur 800 weniger als ein Jahr zuvor. Für Aufsehen sorgte zudem eine von zwei Fans in einem Internet-Forum ins Leben gerufene Spendenaktion, die bisher fast 8000 Euro gebracht hat. Wollitz, den die Fans im Frühjahr 2009 zum «Jahrhundert-Trainer» gewählt hatten, sagte dazu: «Es geht nicht um die Summe, sondern um das Signal - und das ist fantastisch.»
Die Aktion dokumentiert die Treue des Publikums, doch die akuten Finanzsorgen kann der Betrag nicht ansatzweise lindern. Nach zwei Spielzeiten mit Defiziten, einem Schuldenstand von rund acht Millionen Euro und dem Druck einer jährlichen Schulden-Tilgung von 750 000 Euro brauchte der Verein im Frühjahr staatliche Hilfe, um die Liquiditätsreserve von 1,8 Millionen Euro zu stemmen und die Lizenz zu sichern.