Potsdam (dpa) - 25.05.2011, 13:27 Uhr
Die Profis suchen sich schon neue Vereine, der Präsident steht vor dem Rücktritt, der SV Babelsberg vor dem Absturz ins Bodenlose. Die Verfilzung von Sport und Politik in Potsdam bedroht das gesamte Sportsystem in der Landeshauptstadt Brandenburgs.
Tags zuvor war bekanntgeworden, dass dem SVB wegen des Rückzugs zahlreicher Sponsoren der Lizenzentzug und damit der Zwangsabstieg aus der 3. Fußball-Liga droht. Doch aller Voraussicht nach wird der gravierende Absturz nicht in der Regionalliga enden. «Einziges Ziel muss es sein, die Insolvenz zu verhindern», erklärte Präsident Rainer Speer.
Der geschasste brandenburgische Innenminister steht im Untersuchungsausschuss des Landtages wegen undurchsichtiger Immobilien-Geschäfte und Verquickungen bei der Vergabe von Aufträgen mit Sportsponsoring im Fokus der Oppositions-Kritik. Viele Mitglieder des SV Babelsberg gehen nun davon aus, dass der Präsident bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 31. Mai das Handtuch wirft und das sinkende Schiff verlässt.
Letzter Auslöser der akuten Finanzkrise im Potsdamer Kiez-Verein ist der Rücktritt des unter Spionageverdacht stehenden Chefs der Potsdamer Stadtwerke, Peter Paffhausen, des bisherigen Babelsberger Aufsichtsratsvorsitzenden. Eine Stadtwerke-Tochter steuerte bisher jährlich 350 000 Euro zum Jahresetat bei und war damit neben einem Biokraftstoff-Produzenten wichtigster Geldgeber des Vereins. Mit 2,7 Millionen Euro wies der SVB den kleinsten Etat aller Drittligisten auf, schaffte sportlich dennoch souverän den Klassenerhalt. Für das kommende Spieljahr fehlen nun aber rund 1,4 Millionen zur Etat-Deckung.
«Man kann sagen, was man will: Speer und Paffhausen haben es immer geschafft, den kleinen Etat zu stemmen. Wir waren einer der wenigen Vereine, der den Spielern immer pünktlich das Geld gezahlt hat», bedauerte Trainer Dietmar Demuth, der sich nun um die Früchte seiner Arbeit gebracht sieht. «Den Politikern, die jene Affäre losgetreten haben, war wohl nicht bewusst, dass nun der ganze Sport in der Stadt den Bach runter geht. Das kann auch nicht im Interesse der Politik sein», meinte der Coach, der noch bis 2013 einen Vertrag hat, aber nicht weiß, wie er eine Mannschaft zusammenstellen soll, geschweige denn, in welcher Liga das Team künftig spielt.