Rostock (dpa) - 25.04.2011, 14:32 Uhr
Statt eines Fußballfestes eine Nullnummer, anstelle einer Aufstiegsfeier eine lange Busfahrt: Hansa Rostock erlebte die Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga nicht eben so, wie man sich die Würdigung eines solchen sportlichen Erfolgserlebnisses vorstellt.
Spieler und Anhänger waren praktisch deutschlandweit verteilt, als sie am Ostersamstag kurz vor 16.00 Uhr die Nachricht von Erfurts Sieg in Wehen erreichte, mit dem die Rückkehr in die zweite Liga perfekt war. Knapp 24 Stunden später wäre der Aufstieg nach dem 0:0 bei Bayern Münchens Zweiter auch aus eigener Kraft sicher gewesen.
Gestört haben die Umstände niemanden. Die Macher ohnehin nicht. Trainer Peter Vollmann (53) und Sportchef Stefan Beinlich (39) scheuen das Rampenlicht. Aber nicht die Verantwortung. Der erfahrene Fußball-Lehrer, der die Niederungen der zweiten und dritten Liga kennt wie nur wenige, und der Manager-Novize haben innerhalb kürzester Zeit das geschafft, was dem Traditionsclub total abhanden gekommen war. Das Duo holte den sportlichen Erfolg zurück und vermittelte dem Verein ein neues «Wir-Gefühl», das auch in der deutschen Fußball-Szene zunehmend für positive Schlagzeilen sorgt.
Das war vor einem Jahr noch ganz anders. Sportlich ein Totalschaden, finanziell vor der Insolvenz: Für den einstmals so stolzen sportlichen Aushängeschild Mecklenburg-Vorpommerns stand der Uhrzeiger auf fünf vor zwölf. Letzte Chance Totalsanierung. Der neue Vorstand um Bernd Hofmann verordnete dem dramatisch verschuldeten Club einen finanziellen Sanierungskurs mit schwerwiegenden Einschnitten. Inzwischen hat sich Hansa erholt. Wenigstens etwas. Hofmann will zum 30. Juni eine schwarze Null für die laufende Saison schreiben. Angesichts der steigenden Zuschauerzahlen - im Schnitt sind es schon jetzt über 14 000 - dürfte unterm Strich sogar etwas übrig bleiben.
Das haben Vollmann und Beinlich zu verantworten, die praktisch über Nacht ein neues Team zusammenbauten. 20 Spieler gingen, zwölf neue kamen - darunter einige, die im «Paket» verpflichtet wurden. «Wenn wir mit jedem einzeln gesprochen hätten, wäre es allein schon aus logistischen Gründen schwierig geworden», umschrieb Vollmann die komplizierte Lage.