Lukas lechner: «Ich hatte Tränen in den Augen»
19.11.2009, 14:53 Uhr
Lukas Lechner wechselte 2004 vom SC Kirchberg zum SV Wacker Burghausen
Burghausen
– Der Name Lukas Lechner ist nur wenigen Fußball-Spezialisten ein Begriff.
Der Stern
des Wacker-Talents erlosch am Fußball-Himmel schon viel zu früh.
Dabei sah
alles nach einer verheißungsvollen Karriere aus. Die Wacker-A-Jugend führte er
schon früh
als
Kapitän auf den Platz. Schon mit 18 trainierte der Youngster bei den Profis mit
und gab schließlich
gegen den
1. FC Köln in der ersten Elf sein Bundesligadebüt.
Doch was
dann folgte, war ein Martyrium aus Schmerz und Enttäuschung.
Im
Fußball24.de Interview spricht Lukas Lechner über geplatzte Träume, sein
Verhältnis zu Ingo Anderbrügge und darüber warum er Tobias Rau nicht verstehen kann.
Fussball24.de:
Lukas, du
hast es geschafft, vom kleinen Orts-Klub SC Kirchberg zum damaligen
ambitionierten Zweitligaklub zu wechseln und dich bis hin zur Profiabteilung
durchzusetzen.
Wie hast
du damals deinen persönlichen Aufstieg wahrgenommen?
Lukas
Lechner:
Ich bin
2004 nach einem Auswahl-Spiel vom damaligen Wacker-Trainer angesprochen
worden,
der meinte, er wolle mich unbedingt in seiner Mannschaft haben.
Nach
meinem Wechsel wurde ich bei der A-Jugend schnell Kapitän und Führungsspieler.
2005
wollte mich der damalige Trainer Markus Schupp schon ins Trainingslager nach
Spanien
mitnehmen.
Aber dann
wurde Schupp gefeuert und so hat sich das ganze erst mal zerschlagen.
Trotzdem
durfte ich regelmäßig bei den Profis mit trainieren. Der Aufstieg in den
Zweitliga-Kader
kam dann
ganz von allein.
Fussball24.de:
Mit 19
folgte dann deine Zweitliga-Premiere unter Trainer Fred Arbinger. Weißt du
noch was
dir damals durch den Kopf ging?
Lechner:
Ich durfte
im Spiel gegen den 1. FC Köln von Anfang an spielen und war total aufgeregt. Vor
so vielen
Leuten zu spielen ist schon eine große Sache.
Meine
Aufgabe war es Thomas Broich (heute 1. FC Nürnberg, Anm. d. Red.) auszuschalten
und mich
dann vorne
mit einzubringen.
Der
Trainer meinte ich solle ganz ruhig bleiben und das bringen was ich kann.
Fussball24.de:
Leider kam
für dich dann viel zu früh das sportliche Ende. Was ist passiert?
Lechner:
Das kann
ich selbst nicht genau sagen. Das ganze Dilemma ging schon früh los.
Ich hatte
immer öfter links und rechts in den Fersen ungeheure Schmerzen.
Als diese
immer schlimmer wurden, wurde ich zum Bayern-Arzt Dr. Hans W. Müller-Wohlfahrt
geschickt.
Der
vermutete eine Zyste im Knochen die weggespritzt werden müsse. Ich bekam dann
etwa fünf bis
sechs
Wochen lang Spritzen.
Als das
nichts half wurde ich an beiden Fersen operiert. Ich kam auf Reha, versuchte
langsam zu
trainieren, aber nach zwei Monaten ging alles wieder von vorne los.
Fussball24.de:
Wie ging
es dann weiter?
Lechner:
Ich wurde
zu einem Osteopathen (Facharzt für Störungen und Bewegungseinschränkungen, Anm.
d.
Red.)
geschickt. Aber auch das blieb ohne Erfolg.
Wieder
vergingen Monate und als letzten Versuch kam ich schließlich zu
DFB-Physiotherapeut Klaus
Eder nach
Regensburg, der ja heute noch die Nationalmannschaft betreut.
Doch auch
da kamen die Schmerzen nach einiger Zeit wieder.
Fussball24.de:
Wie war
das für dich, als feststand, dass es nicht mehr weiter geht?
Lechner:
Da ist
natürlich eine kleine Welt zerplatzt. Ich war halt sicher, dass ich nach meiner
Ausbildung
nur noch Fußball spielen muss und damit mein Geld verdiene. Ich habe mich auf
ein super Leben gefreut. Und dann kommt sowas
Da denkst
du dir: „Jetzt bin ich schon ein Jahr verletzt und noch immer weiß keiner was
ich habe.“
Am Anfang
hofft man noch immer das es wieder wird und realisiert gar nicht, dass es eben
nicht
mehr wird.
Das war
ganz schwierig. Man findet sich dann schon irgendwie damit ab, aber unterbewusst
hofft
man
trotzdem noch.
Fussball24.de:
Was hat
dir damals aus der Krise geholfen?
Lechner:
Meine
Familie und meine Freundin haben mir sehr geholfen.
Fussball24.de:
Während
dieser Zeit wurde dann der Ex-Schalker Ingo Anderbrügge Wacker-Coach.
Wie war
dein Verhältnis zu ihm?
Lechner:
Ich hatte
keine Probleme mit ihm. Er war eben sehr diszipliniert und streng.
Auch als
verletzter Spieler musstest du einmal die Woche zum Training, wenn auch nur zum
Zuschauen.
Sonst drohten Geldstrafen.
Er ist
aber nicht so arrogant wie viele sagen.
Fussball24.de:
Ist er auf
deine schwierige Situation eingegangen?
Lechner:
Es gab
jede Woche Gespräche. Er hat mit jedem einzelnen Spieler gesprochen, wie es ihm
geht. Er
hat sich da sehr um uns gekümmert.
Fussball24.de:
Auch
andere Profis beendeten früh ihre Karriere. Teils freiwillig, teils
unfreiwillig.
Kannst du
einen Sebastian Deisler oder einen Tobias Rau verstehen?
Lechner:
Bei
Sebastian Deisler versteh ich das schon. Der hatte ja Depressionen, und man
sieht ja
jetzt auch
bei Robert Enke, dass man das nicht unterschätzen darf.
Bei Tobias
Rau kann ich das nicht verstehen. Der hat ja nur des Studierens-wegen aufgehört.
Das ist
mir unbegreiflich wie jemand, der nicht verletzt ist und noch umsetzen kann was
er sich
einmal
erträumt hat, diesen Schritt gehen kann. Vielleicht hat ihn der Druck so fertig
gemacht.
Fussball24.de:
Besuchst
du noch öfter die Wacker-Arena?
Lechner:
Ich war
vor zwei Monaten beim Spiel gegen Regensburg.
Aber ich
schaue nicht mehr so oft zu, weil das auch schlimm für mich ist.
Ich denke
mir immer: „Mensch, da könnte ich auch spielen“. Da kommt richtig Wehmut auf.
Fussball24.de:
Der SVW spielt in dieser Saison um den Aufstieg mit. Was traust du deinen früheren Teamkollegen zu?
Lechner:
Ich glaube
nicht das sie den Aufstieg schaffen. Aber wenn sie sich weiter so präsentieren
erreichen
sie einen guten Mittelfeldplatz.
Fussball24.de:
Was war
für dich zurückblickend dein absoluter sportlicher Höhepunkt?
Lechner:
Mein Debüt
gegen Köln war natürlich das Highlight. Da stehen dir die Tränen in den Augen
wenn du
einläufst.
Fussball24.de:
Wie geht
es jetzt für dich weiter?
Lechner:
Mein
Vertrag läuft ja noch ein Jahr. Ich hoffe noch immer, dass ich wieder fit werde.
Im Moment
kann ich nur leicht laufen. Und Schach spielen vielleicht (lacht).
Ich bin
jetzt bei einem Arzt für chronische Schmerzen. Ich pausiere jetzt eine Zeit lang
und mache
mein
Abitur nach. Aber einmal versuche ich es nochmal zurück in den Profi-Fußball.
Fussball24.de: Dabei
wünschen wir dir viel Erfolg!
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