«Nun ist Südafrika dran»
Berlin/Johannesburg (dpa) - 13.07.2006, 19:52 Uhr
Im Rahmen der WM in Deutschland wurde auch die Vorfreude auf Südafrika geschürt.
«Nun ist Südafrika dran», lautet die Schlagzeile der «Sunday Times» in Johannesburg. «Wir haben von Deutschland Lektionen zu lernen, da sich jetzt alle Augen auf die WM 2010 richten», schreibt das Blatt. In Berlin beendete Südafrikas Präsident Thabo Mbeki seine dreitägige Good-Will-Tour mit einem weiteren Teilerfolg. Nach Bundesregierung, Fußball-Weltverband FIFA und deutschem WM-Organisationskomitee sagte nun auch die EU dem Ausrichter der nächsten Weltmeisterschaft Hilfe zu. «Ich danke, dass man sich den Millionen Menschen in Afrika zuwendet und ihnen Hilfe bringt. Die WM 2010 kann für Afrika der erste Schritt aus dem Schatten sein», sagte Mbeki. Wie diese Hilfe konkret aussehen wird, das wusste keiner zu sagen. Das am 09. Juli in Berlin mit EU-Kommissar José Manuel Barroso und FIFA-Präsident Joseph Blatter unterzeichnete Kooperationsabkommen lässt die Unterstützung konkreter Projekte und die Höhe von EU-Mitteln offen. Die Bundesregierung blieb ebenfalls allgemein. Der beste Mann, den das deutsche Organisationskomitee als Hilfe nach Südafrika schicken könnte, zögert. Horst R. Schmidt (64), der erste Vize-Präsident des OK und eigentliche Organisator der gelungenen deutschen WM, will erst später eine Entscheidung treffen. Bis Herbst nächsten Jahres bleibt er Generalsekretär des Deutschen Fußball- Bundes (DFB).
Selbst Blatter weiß noch nicht, wie hoch er die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent bezuschussen muss. Geld genug wird er haben. Schon jetzt steht fest, dass die FIFA mit schon jetzt absehbaren Einnahmen von knapp drei Milliarden Euro ein Rekordgeschäft machen wird. 370 Millionen Euro betrug der Zuschuss an das deutsche OK. Diese Summe wird sich bei der Südafrika-WM eher verdoppeln müssen. Die erste Weltmeisterschaft in Afrika ist Blatters eigenes Projekt, er hat die Verlängerung seiner Amtszeit von 2007 auf 2011 mit dem Unternehmen Südafrika begründet. Bis der erste Anstoß im afrikanischen Winter im Juni 2010 erfolgt, liegt eine Zeit des Hoffens und Bangens. In Südafrika wird die hohe Qualität der von Deutschland organisierten WM mit Anerkennung, aber auch mit Sorge betrachtet. Berichterstatter vom Kap sehen sich in Deutschland mit Besorgnis konfrontiert. «Sie fragen, seid Ihr bereit, mit der gleichen Tonlage, in der man fragen würde, ob ein junges Nilpferd bereit sei, eine Boeing über den Nordpol zu fliegen», wundert sich Carlos Amato von der «Sunday Times». Er wirbt um Verständnis dafür, dass ein Vergleich Deutschlands mit dem Schwellenland Südafrika illusorisch ist: «Wir werden die Dinge natürlich nach afrikanischem Stil machen müssen - wann und wo immer der afrikanische Stil besser ist.» Natürlich gibt es auch in Südafrika Kritiker, Zweifler und Pessimisten. Werden die 10 Stadien rechtzeitig WM-reif? Gibt es überhaupt eine ausreichende Nachnutzung? Wie wird das mit dem Transport im Land und zu den Arenen? Wie kann die notwendige Sicherheit geschaffen werden besonders für die Fanmeilen, die nach dem deutschen Vorbild eingerichtet werden sollen? Wie kann es gelingen, den weitgehend mittellosen afrikanischen Fans, die vornehmlich dem schwarzen Bevölkerungsteil angehören, Zugang zu den Stadien zu verschaffen? Doch insgesamt überwiegt die Freude und Zuversicht auf eine erfolgreiche WM.
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