«Zidane-Entdecker»: Kopfstoß war menschlich
Hamburg (dpa) - 13.07.2006, 10:19 Uhr
Gernot Rohr (l) trainiert 1996 in Bordeaux als Coach mit Zinedine Zidane (r).
Fußball-Trainer Gernot Rohr hat Verständnis für Zinédine Zidanes Kopfstoß im WM-Finale gegen den Italiener Marco Materazzi. Rohr, der vier Jahre lang Zidanes Trainer bei Girondins Bordeaux war, sagte in «hr-iNFO», der Ausraster sei «eine menschliche Reaktion gewesen» und «mehreren Faktoren» geschuldet: «Der Stress eines WM-Finales, die Augen der Journalisten, die bei seinem letzten Spiel mehr als sonst auf ihn gerichtet waren, die schmerzhafte Schulter-Verletzung und das Temperament eines Südfranzosen, dem die Familie heilig ist.» Mit Zidanes Fernseh-Beichte, mit der er sich für sein von Schiedsrichter Horacio Elizondo (Argentinien) im WM-Finale in der 110. Minute mit der Roten Karte bestraftes Vergehen entschuldigt hat, betrachtet Rohr den Fall als erledigt. «Ich weiß, dass die Entschuldigung von Herzen kam und er bereut, was er getan hat. Nun würde ich mich freuen, wenn sich auch Materazzi für seine Beleidigungen entschuldigt», sagte Rohr.
Die Überlegungen des Fußball-Weltverbandes (FIFA), Zidane den Titel des besten WM-Spielers möglicherweise abzuerkennen, kann der Trainer von Young Boys Bern nicht nachvollziehen. «Zidane hat sich diesen Titel durch gute Leistungen verdient. Eine Aberkennung wäre keine menschliche Entscheidung, zumal sich die FIFA dann noch größerer Kritik ausgesetzt sehen würde als ohnehin schon.» Die Reaktionen der Franzosen, die Zidane in der großen Mehrheit verziehen haben, kann Rohr dagegen gut nachvollziehen. «Da sie in ihm eben keinen Fußball-Gott sehen, sondern einen sympathischen, wunderbaren Menschen, der auch Fehler macht», sagte Rohr in «hr-iNFO».
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